Je länger, desto besser? Hartnäckige Mythen zu Antibiotika
Antibiotika sorgen immer wieder für Wirbel. Denn die Sorge vor Nebenwirkungen und der Entwicklung von Resistenzen ist groß. Um hier gegenzusteuern, ist eine zielgerichtete Einnahme wichtig. Doch zahlreiche Mythen rund um Antibiotika erschweren dies. Dennoch halten sich veraltete Annahmen oftmals hartnäckig, wie sich aktuell zeigt.
Ein Team der University of Utah Health (USA) hat eine Umfrage unter knapp 1.500 Personen aus den USA durchgeführt und sie zu weit verbreiteten Mythen rund um Antibiotika, genau zu ihrer Einstellung zur Dauer einer Antibiotikatherapie, befragt. Das Ziel: Herauszufinden, welche Bedeutung irrtümliche Annahmen aktuell noch haben.
Das Ergebnis: Ein Großteil der Befragten glaubte nach wie vor an veraltete und bereits widerlegte Ansichten zu entsprechenden Arzneimitteln. „Überholte Vorstellungen über Antibiotika sind weit verbreitet“, heißt es.
Mythen zu Antibiotika: Längere Einnahme (nicht) immer besser?
Dazu gehört unter anderem die Annahme, Antibiotika seien stets komplett aufzubrauchen – also bis zum Ende des Blisters – einzunehmen, auch wenn bereits eine Besserung der Beschwerden eingetreten ist. An dieser lange geltenden Empfehlung halten rund 90 Prozent der Befragten weiterhin fest, obwohl dies den Forschenden zufolge nicht mehr die beste medizinische Vorgehensweise für alle Erkrankungen ist. Denn: „Die Realität ist jedoch komplexer. Oftmals sind kürzere Antibiotikabehandlungen genauso wirksam und sicher wie längere“, so die Forschenden.
Damit räumen sie zugleich mit einem weiteren hartnäckigen Mythos rund um Antibiotika auf. Demnach gaben etwa sechs von zehn Teilnehmenden ebenfalls an, generell weiterhin eher eine längere (≥ 7 Tage) anstelle einer kürzeren Antibiose zu bevorzugen – auch wenn gemäß aktuellen Leitlinien eine kürzere Therapiedauer empfohlen wird. Denn in zahlreichen wissenschaftlichen Studien konnte beispielsweise belegt werden, dass bei vielen häufigen Infektionen kürzere Antibiotikakuren genauso wirksam sind, wie längere und seltener Nebenwirkungen verursachen. Auf der anderen Seite gebe es weiterhin Fälle, bei denen eine längere Behandlung angezeigt ist. Das Team stellt klar: Entscheidend ist immer der individuelle Fall, denn manchmal sind kürzere Behandlungen sicherer, manchmal längere die beste.
Schluss mit Mythen: Antibiotika-Therapie möglichst individuell festlegen
„Die Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit einer differenzierten Kommunikation zwischen Ärzt:innen und Patient:innen“, mahnen die Forschenden. Genau sollten Ärzt:innen vermeiden, generalisierte und vereinfachte Aussagen zur Antibiotika-Therapie zu treffen. Stattdessen sollten evidenzbasierte Strategien genutzt werden, um die komplexe Realität der Antibiotikabehandlungsdauer besser zu vermitteln.
Patient:innen sollten im Falle einer Antibiose vor Behandlungsbeginn Arztrücksprache über die am besten geeignete Therapiedauer halten und auch den möglichen Zeitpunkt für ein Absetzen besprechen.
„Unser Wissen über den optimalen Einsatz von Antibiotika hat sich verändert, aber das liegt daran, dass wir ständig dazulernen. Es ist wichtig, dass wir dies der Öffentlichkeit verständlich vermitteln“, so der Appell.
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