Arzneimittellieferung bei Hitze: DHL sieht sich nicht in Kontrollpflicht
Es ist wieder heiß – und zwar richtig. Trotz Kritik und Warnungen vor teils extrem starker Wärmebelastung werden in diesen Tagen wieder Arzneimittel von Versendern verschickt. Paketdienstleister wie DHL distanzieren sich von ihren Lieferungen.
Die nächste Hitzewelle ist da, vielerorts gibt es Warnungen und Hinweise zum richtigen Umgang bei hohen Temperaturen. Auch bei Medikamenten muss gehandelt werden, da Arzneimittel bei größeren Temperaturabweichungen instabil werden. In Apotheken etwa darf deshalb die Temperatur nicht über 25 °C liegen.
DHL verweist an Versender
Dennoch verschicken Versender unbeeindruckt Arzneimittel trotz hoher Temperaturen. Beim Logistiker DHL sieht man sich nicht in der Kontrollpflicht: „DHL Paket kennt den Inhalt von Paketsendungen grundsätzlich nicht und darf diesen aus Gründen des Postgeheimnisses ohne besondere Rechtsgrundlage auch nicht in Erfahrung bringen“, sagt eine Sprecherin.
Der Konzern spielt die Verantwortlichkeit zurück an die Versender: „Gemäß unseren AGB sind die Versender verantwortlich für den Inhalt der Sendung und die Beurteilung, ob dieser für die gewählte Versandart geeignet ist“, sagt sie. Insbesondere für Arzneimittel seien diese Verantwortlichkeiten in der jüngst novellierten Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) erneut bestätigt und konkretisiert worden.
EU-Kommission kann Veto einlegen
Tatsächlich wurden die geplanten Vorgaben zur Temperaturkontrolle durch DHL & Co. von Nina Warken (CDU) aus dem Entwurf zur Apothekenreform gestrichen. Im Bundesrat gab es mehrere Anträge, etwa zur Streichung der Länderliste oder für eine Regelung auf EU-Ebene. Die Abda verhielt sich still, wohl weil sie befürchtete, dass die Reform mit Regelungen zu Skonto und zur Verhandlungslösung dadurch verzögert werden könnte. Im Notifizierungsverfahren kann die EU-Kommission schlussendlich noch ihr Veto einlegen.
Der Versand von Arzneimitteln im Sommer und bei heißen Temperaturen steht seit Jahren in der Kritik. Immer wieder weisen Inhaberinnen und Inhaber auf die ungleichen Bedingungen hin. Zuletzt zeigte eine Apothekerin mit einem Testkauf bei einer großen Versandapotheke, dass wegen der ungekühlten Lieferung an eine Packstation die Gummibärchen geschmolzen geliefert wurden. Shop Apotheke verschickte Zäpfchen eingewickelt in Thermofolie – was diese bei über 40 °C Außentemperatur hilft, ist für die Empfänger:innen von außen schwer zu sagen. Ein weiterer Test zeigt aktuell zumindest: alles geschmolzen.
Mehr aus dieser Kategorie
Parkinson: Frauen erkranken anders
Morbus Parkinson galt lange Zeit vor allem als „Alte-Männer-Krankheit“. Doch ein geschlechtsspezifischer Blick auf die Neurologie offenbart deutliche Unterschiede: Frauen …
Shop Apotheke-Lieferung: Zäpfchen in Packstation geschmolzen
Trotz immer neuer Hitzerekorde dürfen die Versender weiter unkontrolliert Medikamente verschicken – das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ist vor dem Druck der …
Rauchstopp auf Kasse: Pflaster und Kaugummi kombinieren?
Der Rauchstopp ist kein Lifestyle mehr. Die Kassen übernehmen die Kosten inzwischen auch für eine Nikotinersatztherapie. Diese kann die Entzugserscheinungen …






