Longevity in der Apotheke: Schritt für Schritt beginnen
Longevity liegt im Trend. Mit diesem Begriff fühlt sich die Berliner Apothekerin Antje Behrendt jedoch nicht ganz wohl – sie versteht sich eher als Präventions-Apothekerin. Sowohl beruflich als auch privat beschäftigt sich die Ernährungsberaterin seit vielen Jahren mit der Frage, wie man bis ins hohe Alter möglichst gesund und leistungsfähig bleibt, ohne dass es dabei rein um das Erreichen eines hohen Lebensalters geht.
Seit zwei Jahrzehnten ist Behrendt für die MediosApotheke in Berlin tätig. Das Thema Vorsorge spielte dort schon immer eine zentrale Rolle, doch durch den aktuellen Hype in den sozialen Medien hat die Prävention neuen Aufwind erhalten. Für die Apotheke vor Ort bietet dieses Feld die Chance, sich mit ihrer bestehenden Fachkompetenz, den vorhandenen Strukturen und der niederschwelligen Erreichbarkeit zukunftssicher aufzustellen.
Präventionsmedizin statt Longevity-Hype
Die Präventionsmedizin existiert bereits seit Langem – weit bevor der Begriff Longevity auf Social Media auftauchte. Der aktuelle Trend bringt allerdings auch Herausforderungen mit sich, da nicht jede dort angepriesene Therapie evidenzbasiert ist und pauschale Aussagen von Influencer:innen die Kundschaft verunsichern können. Im persönlichen Gespräch vor Ort lässt sich hingegen individuell und passgenau auf jeden einzelnen Menschen eingehen.
Die Werkzeuge hierfür sind vielfältig und reichen von Point-of-Care-Diagnostik (POC) über Gentests bis hin zu Kapillarblut-Analysen. Da es sich dabei um Selbstzahlerleistungen handelt, lässt sich eine ausführliche Beratung wirtschaftlich nicht allein über einfache Standardmessungen abdecken. Perspektivisch bleibt daher zu hoffen, dass solche Leistungen künftig auch von den Krankenkassen anerkannt und vergütet werden.
Gezielte Messungen – auch für GLP-1-Patient:innen
Behrendt engagiert sich in Berlin zudem im Präventionszentrum Enea Health, das sich aus dem Schwerpunkt der MediosApotheke heraus entwickelt hat und mittlerweile in eigenen Räumlichkeiten agiert. Dort wird unter anderem die Bioimpedanzanalyse (BIA) zur Messung der Körperzusammensetzung angeboten.
Diese Diagnostik erweist sich nicht nur für das Thema Langlebigkeit als äußerst hilfreich, sondern auch für Personen, die GLP-1-Präparate wie Ozempic einnehmen. Durch die Messung lässt sich genau analysieren, ob Fett- oder Muskelmasse abgebaut wird. Wenn beispielsweise ein Gewichtsverlust rein auf den Verlust von Muskelmasse zurückzuführen ist, kann durch eine gezielte Ernährungsberatung rechtzeitig gegengesteuert werden.
Das Angebot wird gut angenommen und umfasst rund zehn BIA-Messungen täglich. In Kombination mit einem anschließenden Beratungsgespräch rechnet sich der Aufwand auch wirtschaftlich, wobei der Zulauf hauptsächlich über Mundpropaganda und Empfehlungen entsteht.
Empfehlungen für Apotheken
Apotheken, die sich auf diesen Bereich spezialisieren möchten, sollten schrittweise vorgehen und ihr Leistungsangebot nach und nach ausbauen. Ein praktischer Einstieg sind thematische Aktionswochen, beispielsweise zu Vitamin-D-Messungen, da eine optimale Versorgung in der Praxis selten vorzufinden ist. Wichtig dabei ist, passende Präparate direkt vorrätig zu haben. Eine verständliche Aufklärung über den Markt für Nahrungsergänzungsmittel führt meist dazu, dass Kund:innen die Produkte direkt vor Ort kaufen statt im Internet.
Der Einfluss von Social-Media-Trends lässt sich im Beratungsgespräch meist sachlich relativieren. Anstatt Behauptungen aus dem Netz schlechtzureden, hilft die wissenschaftliche Einordnung von Studien und deren Aussagekraft. Weder Versandapotheken noch Künstliche Intelligenz können solche Messungen vor Ort durchführen oder persönlich auswerten – mit fundierter Prävention sichern sich Apotheken somit ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal.
Longevity – eines der Themen der aktuellen Apotheken Umschau
Mehr aus dieser Kategorie
Midlife-Crisis: Zwischen Neuorientierung und Neustart
Die Lebensmitte bringt für viele Menschen eine Phase der Neuorientierung mit sich. Entgegen der weit verbreiteten Annahme handelt es sich …
Erektile Dysfunktion: Die drei PDE-5-Hemmer im Überblick
Erektile Dysfunktion ist häufiger als gedacht, und zwar in jedem Alter. Vier bis sechs Millionen Männer sind hierzulande betroffen. Zudem …
Alkohol und Arzneimittel: Vorsicht bei Schmerzmitteln und Antibiotika
Dass unter der Einnahme bestimmter Antibiotika der Konsum von Alkohol tabu ist, ist bekannt. Doch auch bei Schmerzmitteln, Gerinnungshemmern und …






