Statine vs. Omega-3: Was wirkt besser?
„Trotz hoher Cholesterinwerte nehmen Patienten oft ungern Statine ein. Omega-3-Präparate werden teils als adäquater Gefäßschutz propagiert“, schlägt die Deutsche Herzstiftung Alarm. Ob Omega-3 Statine ersetzen kann, nehmen die Expert:innen unter die Lupe.
Statine gehören unter anderem zu den Mitteln der Wahl zur Senkung erhöhter Cholesterinspiegel – Hypercholesterinämie. Denn sie hemmen die HMG-CoA-Reduktase, ein Enzym, das als Zwischenprodukt bei der Cholesterinneusynthese eine Rolle spielt. Die Arzneistoffe unterdrücken die Cholesterinbildung, was mit einer verstärkten Aufnahme aus dem Blutplasma kompensiert wird. Der Low-densitity Lipoprotein (LDL)-Cholesterinspiegel im Blut sinkt.
Doch die Therapietreue ist mitunter gering, denn in den Fach- und Gebrauchsinformationen entsprechender Präparate wird vor verschiedenen Nebenwirkungen gewarnt – allem voran Muskelschmerzen. Zwar gilt die Sorge vor Beschwerden vielfach als unbegründet, dennoch suchen einige Patient:innen nach Alternativen und setzen anstelle von Statinen auf Omega-3-Fettsäuren. Doch was wirkt besser? Ein Faktencheck der Deutschen Herzstiftung liefert die Antwort.
Zur Erinnerung: Omega-3-Fettsäuren sind unter anderem wichtig für den Stoffwechsel. Dabei handelt es sich um mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Als Bestandteile von zellulären Membranen können sie die Blutgerinnung, Vasokonstriktion und die Inflammation beeinflussen. Sie sind für den Körper essentiell, müssen jedoch in der Regel zugeführt werden.
Statine wirksamer als Omega-3
Dabei verweisen sie vor allem auf das breite Wirkspektrum von Statinen, das nicht nur auf eine Cholesterinsenkung beschränkt ist. Hinzukommt ein entzündungshemmender Effekt, der dazu beiträgt, Cholesterinablagerungen (Plaques) in den Arterien, die zu Abwehrreaktionen des Immunsystems und einer Freisetzung entzündlicher Botenstoffe führen, zu stabilisieren. „Unter Statintherapie sinken zum Beispiel oft die Entzündungswerte im Blut (CRP-Wert). Zudem wurde nachgewiesen, dass Statine die entzündungsfördernde Wirkung bestimmter Proteine verringern“, heißt es im Faktencheck. Dies ist mit einem hohen Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden.
Auch Omega-3-Fettsäuren wird zwar ein entzündungshemmender Effekt zugesprochen. Doch dieser ist den Expert:innen zufolge bisher nicht eindeutig belegt. „Eine wirklich belastbare Studie, die einen entzündungshemmenden Effekt und Nutzen für Herz und Gefäße belegt, gibt es derzeit nicht.“ Demnach wird zur zu einer ausgewogenen Ernährung mit ausreichend Omega-3-Fettsäuren geraten. Dass diese automatisch zu einer Absenkung des Cholesterinppiegels führen kann und Omega-3 somit Statine ersetzen kann, ist jedoch nicht zu erwarten.
Achtung: Bei Omega-6-Fettsäuren raten die Expert:innen zu besonderer Vorsicht, denn diese gelten zwar als lebensnotwendig, können im Überschuss jedoch proentzündliche Signalstoffe produzieren.
Statine oder Omega-3: Finger weg von Supplementen
Im Hinblick auf Supplemente mit den Fettsäuren schlägt die Herzstiftung Alarm. „Der häufig in der Werbung propagierte Schutz von Herzinfarkt und Schlaganfall ist wissenschaftlich nicht belegt, die Wirkung auf LDL-Cholesterin ist marginal.“ Laut einer Studie konnten Fischöl-Kapseln mit Omega-3-Fettsäuren den LDL-Wert nur rund drei Prozent reduzieren. „Zum Vergleich: Mit 5 mg des Statins Rosuvastatin erreicht man eine Absenkung um fast 38 Prozent“, stellen die Expert:innen klar.
Hinzukommt, dass es sich bei Statinen um geprüfte und zugelassene Arzneimittel handelt, bei Präparaten mit Omega-3 dagegen um Nahrungsergänzungsmittel, für die es keine entsprechenden Daten gibt und die daher nicht zu empfehlen sind, so das Fazit.
Außerdem räumen die Expert:innen mit Mythen rund um vermeintliche Risiken von Statinen auf. Darunter die Annahme, dass die Wirkstoffe die Gefahr für Demenz und Diabetes erhöhen, was laut Herzstiftung durch Studien widerlegt werden konnte. Gleiches gilt für befürchtete Muskelschmerzen, bei denen Statine in vielen Fällen – anders als angenommen – nicht die Ursache sind.
Übrigens: Von einer generellen Supplementierung von Omega-3 hat auch das Bundesinstitut für Risikobewertung kürzlich abgeraten. Denn mitunter können die Präparate mehr schaden als nutzen.
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