Depressionen: Bringt Pramipexol Freude zurück?
Leiden Patient:innen unter Depressionen, macht sich dies an verschiedenen Symptomen bemerkbar, allem voran an einem Verlust von Freude, der mit antidepressiven Wirkstoffen jedoch kaum behandelt werden kann. Bei Depressionen eingesetzt soll der Parkinson-Wirkstoff Pramipexol genau hier ansetzen.
Depressionen zählen hierzulande inzwischen zu den Volkskrankheiten. Denn die Zahl der Betroffenen steigt. Laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe leiden rund 11 Prozent der Frauen und 5 Prozent der Männer an depressiven Störungen.
Neben psychologischer Behandlung kommen oftmals auch Arzneimittel zur Therapie infrage, allem voran Antidepressiva. Nun bringen Forschende einen weiteren, bereits in anderen Indikationen bewährten Wirkstoff ins Spiel. Das Parkinson-Mittel Pramipexol soll auch bei Depressionen wirksam sein. Genau soll der Wirkstoff dazu beitragen, eines der Hauptsymptome von Depressionen zu lindern – den Verlust von Freude.
Pramipexol bindet ähnlich wie Dopamin an die Dopaminrezeptoren der D2-Subfamilie – bevorzugt D3-Rezeptoren und ahmt dessen Wirkung nach, wodurch die Folgen des mit der Erkrankung verbundenen Dopaminmangels eingedämmt und Symptome wie Zittern und Bewegungseinschränkungen gelindert werden. Pramipexol wird angewendet bei Erwachsenen zur symptomatischen Behandlung des idiopathischen Morbus Parkinson, allein oder in Kombination mit Levodopa sowie zur symptomatischen Behandlung des mittelgradigen bis schweren idiopathischen Restless-Legs-Syndroms in Dosierungen. Die Anwendung erfolgt oral in Tablettenform, die Dosierung richtet sich nach der jeweiligen Indikation. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören unter anderem Blutdruckabfall, Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit, starke Erregungszustände sowie Schlafstörungen.
Depressionen: Pramipexol wirkt Verlust von Freude entgegen
Bereits vor rund einem Jahr berichtete ein britisches Forscherteam über den positiven Effekt von Pramipexol bei Depressionen. So fiel die lindernde Wirkung im Vergleich zu anderen Wirkstoffen wie Esketamin oder atypischen Antipsychotika deutlich höher aus, war jedoch auch mit Nebenwirkungen verbunden. Nun hat ein Team der Universität Lund (Schweden) den Zusammenhang näher untersucht und herausgefunden, dass vor allem die Fähigkeit, Freude zu empfinden, unter dem Parkinson-Mittel wieder gestärkt werden kann.
Anhedonie, der Verlust von Freude, Vergnügen und Motivation, gehört zu den häufigsten Symptomen bei Personen mit Depressionen, kann jedoch mit den meisten Antidepressiva kaum gelindert werden.
Dafür wurden in einer kleinen, randomisierten, doppelblinden klinischen Studie Patient:innen mit therapieresistenter Depression untersucht. Jeweils ein Teil von ihnen wurde zusätzlich zur bestehenden Medikation mit einem Placebo oder mit Pramipexol behandelt und über einen Zeitraum von neun Wochen nachbeobachtet.
Das Ergebnis: „Die mit Pramipexol behandelten Patienten zeigten eine deutlichere Besserung als die Placebo-Gruppe“, heißt es in einer Mitteilung. Dabei hielt der Effekt unverändert an, wenn die Therapie auch über mehrere Monate fortgesetzt wurde. Dabei zeigte sich außerdem eine gute Verträglichkeit – Nebenwirkungen wie Übelkeit und Schwindel ließen sich durch eine Dosisanpassung eindämmen. „Wirksamkeit und Sicherheit blieben während der Nachbeobachtungsphase erhalten, was insbesondere bei langanhaltender und therapieresistenter Depression relevant ist“, so das Team.
Pramipexol könnte bei Personen mit therapieresistenten Depressionen als Zusatztherapie dienen, um typische Symptome zu lindern, so das Fazit.
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