Verhütung: Essattacken durch die Pille?
Orale Kontrazeptiva waren jahrzehntelang Verhütungsmittel Nummer eins. Doch inzwischen geht die Zahl der Anwenderinnen stetig zurück. Hauptgrund sind die mit dem Eingriff in den Hormonhaushalt verbundenen Nebenwirkungen. Dazu gehören offenbar auch Essattacken durch die Pille.
Neben einem erhöhten Thromboserisiko gehören vor allem hormonelle Veränderungen zu den unerwünschten Wirkungen unter oralen Kontrazeptiva. So ist die Einnahme häufig mit Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme, Brustspannen, Kopfschmerzen und Co. verbunden. Doch damit nicht genug. Denn auch das Essverhalten kann beeinflusst werden. Genau kann die Pille offenbar zu Essattacken führen beziehungsweise sogenanntes emotionales Essen fördern. Das ist das Ergebnis einer Studie.
Von emotionalem Essen ist die Rede, wenn nicht aufgrund von Hunger oder Appetit gegessen wird, sondern aus Frust, Stress oder anderen belastenden Gefühlen. Häufig kommt es dabei zu einem Kontrollverlust, sodass Essattacken die Folge sind. Hinzukommt, dass sich emotionales Essen oftmals zu Essstörungen wie Binge-Eating oder Bulimie entwickelt.
Pille kann Essattacken begünstigen
Um den Einfluss von hormonellen Kontrazeptiva auf das Essverhalten zu erklären, haben Forschende der Michigan State University (USA) eine Untersuchung mit mehreren hundert Frauen zwischen 15 und 30 Jahren durchgeführt, die allesamt die Pille nutzten. Über mehrere Wochen – genau 49 Tage – sollten die Frauen täglich ihre Stimmung und ihr Essverhalten dokumentieren. Genau sollten sie auch angeben, ob und wenn ja wie häufig sie negative Gefühle verspürten, die sie wiederum zum Essen veranlassten und ob es dabei zu einem Kontrollverlust kam – sprich ob sich Essattacken unter der Pille zeigten. Anschließend wurde geprüft, ob sich während der 21-tägigen Einnahmezeit Unterschiede im Vergleich zur siebentätigen Pillenpause ergaben.
Das Ergebnis: In der Einnahmezeit berichteten die Frauen häufiger über Vorfälle von emotionalem Essen als während der Einnahmepause. Somit ergeben sich den Forschenden zufolge Anhaltspunkte dafür, dass die Pille Essattacken begünstigen könnte. Allerdings betonen sie auch, dass die Ergebnisse nicht bedeuten, dass die Pille zu Essstörungen führt. Lediglich ein statistischer Zusammenhang zwischen hormonellen Kontrazeptiva und häufigerem emotionalen Essen wurde nachgewiesen, allerdings auch nicht bei allen Frauen, sodass auch genetische Faktoren eine Rolle spielen können.
Hintergrund ist der Eingriff in den Hormonhaushalt. Denn hormonelle Kontrazeptiva enthalten je nach Präparat synthetisch hergestellte Varianten von Östrogen und Progesteron. Eine Erhöhung des jeweiligen Spiegels kann dabei auch unabhängig von der Einnahme der Pille zu Heißhungerattacken führen, was durch die Nutzung der Pille wiederum verstärkt werden kann.
Betroffene Frauen, die entsprechende Ereignisse bei sich feststellen, sollten Arztrücksprache halten, um der genauen Ursache auf den Grund zu gehen und gegebenenfalls auf eine alternative Verhütungsmethode umzusteigen.
Übrigens: Die Pille kann auch das Depressionsrisiko erhöhen.
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