Paracetamol: Risiko für Nierensteine?
Seit rund einem Jahr dürfen Paracetamol-haltige Präparate nur noch mit neuer Fachinformation in Verkehr gebracht werden. Darin muss auf das Risiko einer metabolischen Azidose mit erweiterter Anionenlücke hingewiesen werden. Doch es droht eine weitere Gefahr. So kann unter Paracetamol das Risiko für Nierensteine steigen, zeigt eine aktuelle Studie.
Generell gilt: Schmerzmittel sollten im Rahmen der Selbstmedikation nicht dauerhaft angewendet werden. Als Faustregel sind nicht mehr als drei Tage hintereinander und nicht mehr als zehnmal pro Monat anzunehmen. Denn der Über- oder Dauergebrauch von Schmerzmitteln kann nicht nur abhängig machen, sondern auch neue Schmerzen verursachen. Doch damit nicht genug.
In den Packungsbeilagen entsprechender Präparate heißt es, dass die gewohnheitsmäßige Einnahme von Schmerzmitteln generell zur dauerhaften Nierenschädigung mit dem Risiko eines Nierenversagens (Analgetika-Nephropathie) führen kann – vor allem unter einer Kombination mehrerer Wirkstoffe. Doch neue Studienergebnisse zeigen: Während unter Paracetamol das Risiko für Nierensteine steigt, ist dies unter Ibuprofen nicht zu beobachten.
Paracetamol besitzt analgetische und antipyretische Eigenschaften. Letztere werden auf einen Einfluss auf das Temperaturregulationszentrum im Hypothalamus zurückgeführt. Außerdem bewirkt Paracetamol eine Hemmung der cerebralen Prostaglandinsynthese und hemmt die periphere Prostaglandinsynthese nur schwach. Der genaue Wirkmechanismus des Acetamids ist jedoch weiterhin nicht abschließend geklärt.
Die Studie: PCM vs. Ibuprofen
In den Produktinformationen Paracetamol-haltiger Arzneimittel wird nicht explizit vor Nierensteinen gewarnt. Allerdings findet sich der Hinweis, dass vor der Einnahme Arztrücksprache zu halten ist, wenn Patient:innen beispielsweise an einer Nierenfunktionsstörung leiden. Bei einer vorliegenden Niereninsuffizienz wird zudem eine Dosisreduktion empfohlen. Der Abstand zwischen den einzelnen Dosen muss außerdem mindestens sechs Stunden betragen, bei schweren Fällen sogar acht Stunden.
Doch nun hat ein chinesisches Forscherteam herausgefunden, dass die regelmäßige Einnahme von Paracetamol mit dem Auftreten von Nierensteinen verbunden sein kann. Dafür wurden in einer prospektiven Kohortenanalyse Daten aus der UK Biobank von knapp 484.000 Teilnehmenden ohne vorangegangene Nierensteine ausgewertet. Überprüft wurde, wie sich ein Dauergebrauch – Einnahme an den meisten Tagen der Woche in den letzten vier Wochen – von Paracetamol oder Ibuprofen auf die Nierengesundheit auswirkte.
Unter Paracetamol erhöhtes Risiko für Nierensteine
Das Ergebnis: In den knapp 14 Jahren Nachbeobachtungszeit traten mehr als 6.600 Fälle von Nierensteinen auf. Dabei war das Risiko für Nierensteine unter Paracetamol besonders erhöht, unter Ibuprofen dagegen nicht. Mehr noch: „Die Analyse von Veränderungen im Einnahmeverhalten zeigte, dass die erstmalige oder regelmäßige Einnahme von Paracetamol mit einem signifikant höheren Risiko verbunden war, während auch regelmäßige Ibuprofen-Anwender ein erhöhtes Risiko aufwiesen.“
Daher sollte unter der Paracetamol-Einnahme besondere Vorsicht gelten, vor allem für Patient:innen mit einem erhöhten Risiko.
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