Melatonin-Gummibären: Kein harmloses Naschprodukt
Melatonin kommt sowohl in Arzneimitteln als auch in verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln zum Einsatz. Letztere werden häufig als „sanfte Einschlafhilfen“ gefeiert. Auch für Kinder stehen entsprechende Präparate zur Verfügung, meist in Form von Süßigkeiten. Das Problem: Melatonin-Gummibären sind kein harmloses Nachprodukt, warnen Expert:innen aktuell und fordern ein Verbot.
Melatonin werden antioxidative, entzündungshemmende und das Immunsystem regulierende Eigenschaften zugesprochen. Das Schlafhormon wird aus Serotonin produziert und bei Dunkelheit von der Zirbeldrüse im Epithalamus ausgeschüttet. Die Konzentration ist in der Mitte der Nacht am größten und nimmt bis in den Morgen und im Alter ab. Das Problem: Licht – vor allem Blue Light – kann die Melatoninfreisetzung verringern oder verzögern und somit den Tag-Nacht-Rhythmus durcheinanderbringen und Einschlafprobleme nach sich ziehen.
Hier kommen verschiedene Präparate mit Melatonin ins Spiel, und zwar auch schon für Kinder. Vor allem freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel mit dem Schlafhormon lassen Expert:innen jedoch Alarm schlagen. In einer gemeinsamen Stellungnahme warnen die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und die Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindesalter (KASK) vor der zunehmenden Verbreitung von Melatonin-Gummibären.
Melatonin-Gummibären: Forderung nach Verbot
„Melatonin-haltige Nahrungsergänzungsmittel (NEM) unterliegen nicht den klaren rechtlichen Vorschriften für Arzneimittel und werden aufgrund insgesamt unbefriedigender Reglementierung von NEM zum Teil als süßwarenähnliche Produkte für Kinder angeboten und verkauft“, heißt es in dem Papier. Und genau dies ist den Expert:innen ein Dorn im Auge. Denn Melatonin-haltige Gummibären und Co. würden den Eindruck harmloser Süßigkeiten vermitteln. Die Folgen: Die Wirkung des Schlafhormons werde häufig bagatellisiert und das Risiko für Überdosierungen steigt – beispielsweise, wenn Kinder unbeaufsichtigt mehrere Stücke einnehmen. Zu den häufigsten akut auftretenden Nebenwirkungen gehören dabei morgendliche Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gangunsicherheit und Albträume. Und auch die Zahl an Notfallmeldungen aufgrund einer Melatonin-Überdosierung häuft sich, heißt es.
Denn wie die Expert:innen deutlich machen, handelt es sich um einen hormonell wirksamen Stoff. Daher dürfe Melatonin nicht wie ein harmloses Naschprodukt behandelt werden. Hinzukommt, dass bisher noch weitgehend unklar sei, wie sich dieser langfristig auf die hormonelle Entwicklung, die Pubertät sowie die kardiovaskuläre Entwicklung auswirken könnte.
Daher fordert die DGKJ unter anderem ein gesetzliches Verbot von Melatonin-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln in Form kindgerechter Süßigkeiten wie Gummibärchen.
Außerdem wird dazu geraten,
- Schlafprobleme bei Kindern unbedingt mit dem/der zuständigen Ärzt:in zu besprechen,
- Melatonin bei Kindern nur bei klarer medizinischer Indikation und unter ärztlicher Kontrolle einzusetzen sowie
- Eltern über Risiken und nicht-medikamentöse Alternativen zu informieren.
Übrigens: Auch für Erwachsene kann die Langzeitanwendung von Melatonin zur Gefahr werden.
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