Hyperthyreose: Brustkrebs durch Radiojodtherapie?
Schilddrüsenfunktionsstörungen betreffen hierzulande hunderttausende Menschen. Etwa 1 Prozent leidet an einer Hyperthyreose. Behandelt wird diese unter anderem mit radioaktivem Jod. Doch dies kann gefährlich werden. Genau kann eine Radiojodtherapie das Risiko für Brustkrebs erhöhen, zeigt eine Studie.
Eine Radiojodtherapie kommt zur Behandlung einer Hyperthyreose zum Einsatz. Letztere ist von einer Überproduktion an den Schilddrüsenhormonen Triiodthyroxin (T3) und Thyroxin (T4) gekennzeichnet. Die Folgen können Gewichtsverlust, übermäßiges Schwitzen, Nervosität und Herzrasen sein. Neben Thyreostatika werden Betroffene oftmals alternativ mit radioaktivem Jod (131-I) behandelt, das dazu beitragen soll, überaktives Schilddrüsengewebe gezielt zu zerstören. Welche unerwünschten Wirkungen, auch auf andere Organe, damit verbunden sein können, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. Nun haben Forschende der University of Michigan (USA) untersucht, ob eine Radiojodtherapie das Risiko für Brustkrebs erhöhen kann.
Bei der Radiojodtherapie handelt es sich um eine nuklearmedizinische Methode zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen. Dafür werden geringe Mengen radioaktives Jod oral eingenommen, das von den Schilddrüsenzellen aufgenommen wird, die Schilddrüsenhormone produzieren. Dort werden radioaktive Jod Beta-Strahlen abgegeben, in den Schilddrüsenzellen Schäden bewirken und zum programmierten Zelltod führen. Dosiert wird in Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung.
Brustkrebsrisiko durch Radiojodtherapie erhöht
Dafür wurden in einer Kohortenstudie Krankendaten von mehr als 6.400 Patient:innen ausgewertet, die an einer Schilddrüsenüberfunktion litten. Ein Teil von ihnen wurde zwischen 2006 und 2019 mit Thyreostatika oder operativ behandelt, der andere mit einer Radiojodtherapie. Die Forschenden verglichen über einen Zeitraum von acht Jahren, ob sich je nach Behandlungen Unterschiede im Hinblick auf das Krebsrisiko ergaben.
Während auf der einen Seite weder die Krebsinzidenz insgesamt noch die Krebssterblichkeit in der Radiojodtherapie-Gruppe erhöht waren, zeigte sich bei Frauen ein deutlich höheres Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Genau war dieses mehr als verdoppelt. Zudem wurde eine gesteigerte Sterblichkeit aufgrund eines Pankreaskarzinoms festgestellt.
„Die Radiojodtherapie war mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden, jedoch nicht mit einem erhöhten allgemeinen Krebsrisiko oder einer höheren Gesamtmortalität“, so das Fazit. Den Grund sehen die Forschenden in der hohen Anfälligkeit der Brust und der Bauchspeicheldrüse für DNA-Schäden, die durch radioaktives Jod verursacht werden. Denn dieses kann sich im entsprechenden Gewebe anreichern.
Die Autor:innen sprechen sich daher einerseits für weitere Studien aus, um die Ergebnisse zu bestätigen und appellieren andererseits, Patient:innen unter einer Radiojodtherapie sorgfältig im Hinblick auf das Risiko für Brustkrebs im Blick zu behalten.
Mehr über die Schilddrüse erfährst du hier.
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