Siebenfach erhöht: Reflux steigert Risiko für Tinnitus
Sind Patient:innen von der Refluxkrankheit betroffen, ist der Leidensdruck meist hoch. Ohne entsprechende Behandlung drohen zudem weitere gesundheitliche Folgen, und zwar auch bisher ungeahnte. So kann Reflux offenbar Tinnitus begünstigen.
Klagen Kund:innen über einen brennenden Schmerz hinter dem Brustbein oder saures Aufstoßen, ist von Sodbrennen die Rede. Mehr als jede/r Fünfte war schon einmal davon betroffen oder leidet sogar regelmäßig darunter. Auslöser ist meist, dass der Magen zu viel Säure produziert oder sich zu langsam entleert. Doch Sodbrennen ist nicht nur schmerzhaft und lästig, sondern kann auch ein Anzeichen für eine gastroösophageale Refluxkrankheit – GERD – sein. Und diese kann die Lebensqualität von Betroffenen stark einschränken. Doch damit nicht genug. Denn Forschende haben nun einen weiteren unerwünschten Zusammenhang aufgedeckt. Demnach kann ein Reflux das Risiko für Tinnitus erhöhen.
Zur Erinnerung: Als Tinnitus gilt eine spontane oder unnormale Aktivität im Hörsystem, die sich beispielsweise in Form von dauerhaften oder wiederkehrenden Ohrgeräuschen wie Klingeln, Pfeifen, Piepen oder Rauschen bemerkbar macht. Rund drei Millionen Menschen leiden hierzulande darunter, die genaue Ursache ist noch nicht geklärt.
Reflux: Risiko für Tinnitus siebenfach erhöht
Ein südkoreanisches Forscherteam vom Kyung Hee University in Seoul hat die Gesundheitsdaten von fast 670.000 Patient:innen ausgewertet, von denen rund drei Viertel unter der Refluxkrankheit litten. Überprüft wurde, wie viele Neuerkrankungen an Tinnitus pro Jahr in beiden Gruppen zwischen 2002 und 2019 auftraten.
Das Ergebnis: Während unter den Patient:innen ohne Reflux nur knapp 11.400 Personen (entspricht rund 1,7 Fällen pro 1.000 Personenjahre) an Tinnitus erkrankten, waren es in der GERD-Gruppe mehr als 60.200 Patient:innen (14,9 Fälle/1.000 Personenjahre). Das Risiko lag demnach um rund das Achtfache höher. Nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Einkommen und Vorerkrankungen fiel die Gefahr immer noch rund siebenmal so hoch aus.
Dies führen die Forschenden womöglich auf eine Verbindung zwischen Rachen und Mittelohr zurück – die sogenannte Eustachische Röhre, die für den Druckausgleich im Ohr sorgt. Doch sobald saure Bestandteile aus dem Magen bis dorthin gelangen, sind Reizungen oder Entzündungen die Folgen, wodurch wiederum Ohrgeräusche begünstigt werden können.
Besser Finger weg von PPI?
Das Problem: Während Protonenpumpenhemmer (PPI) wie Omeprazol und Pantoprazol zwar bei Sodbrennen Abhilfe schaffen können und daher zu den Mitteln der Wahl gehören, steigert sich unter der Anwendung das Risiko für einen Tinnitus noch weiter. So zeigte sich in der Sekundäranalyse: Reflux-Patient:innen mit PPI waren rund doppelt so häufig neu von der Ohrerkrankung betroffen als ohne die entsprechenden Wirkstoffe – 17,2 vs. 10,8 Fälle pro 1.000 Personenjahre.
„Unsere Ergebnisse zeigten jedoch, dass die Einnahme von PPI mit einem erhöhten Tinnitusrisiko einhergeht, anstatt es zu senken“, fassen die Forschenden zusammen. Der Zusammenhang ist ihnen zufolge hier jedoch nicht nicht geklärt. Vermutet wird jedoch eine direkte Wirkung von PPI auf die Physiologie des Innenohrs, sodass die Durchblutung der Cochlea beeinträchtigt wird und es zum Auftreten von Tinnitus kommen kann. Auch der durch die Langzeitanwendung von PPI drohende Magnesiummangel könnte eine Rolle spielen. Zur Bestätigung sind jedoch weitere Untersuchungen nötig.
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