Blutdrucksenker: Absetzen oder nicht vor OP?
Blutdrucksenker gehören zu den am häufigsten verschriebenen Arzneimitteln, denn Hypertonie gehört längst zu den Volkskrankheiten. Doch unter der Therapie gilt es einiges zu beachten, vor allem im Hinblick auf das Absetzen. Ob dies vor einer Operation weiterhin erste Wahl ist, zeigen neue Studienergebnisse.
Wie die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) schon vor Längerem deutlich gemacht hat, gilt es, bei Operationen mit Narkosen eine Hypotonie zu vermeiden. Daher sollten Arzneimittel, die diese begünstigen können – allem voran Blutdrucksenker –, vorzeitig abgesetzt werden – zumindest vorübergehend. Je nach Wirkstoffgruppe sprechen die Expert:innen dabei unterschiedliche Empfehlungen aus.
Während die Einnahme von Betablockern laut der Deutschen Gesellschaft für Anästhesie und Intensivmedizin (DGAI), der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) generell fortgesetzt werden sollte, empfiehlt die AkdÄ selbst ein Fortführen der Therapie, wenn präoperativ die Herzfrequenz nach Belastung ansteigt. Ist dies nicht der Fall, sollten ein vorübergehendes Absetzen der Blutdrucksenker erfolgen. Für ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Hemmer gilt dagegen: Aussetzen, um eine Hypotonie zu verhindern.
Doch ob dies in Bezug auf Nutzen und Risiken überhaupt Bestand hat, haben Forschende nun überprüft. Das Ergebnis: Das individuelle Risiko von Patient:innen ist entscheidend.
Blutdrucksenker: ACE-Hemmer und Sartane doch nicht absetzen?
Ein Team der Cleveland Clinic in Ohio (USA) hat in einer Review die Ergebnisse verschiedener Studien und Leitlinienempfehlungen zum Absetzen von Blutdrucksenkern vor einer Operation neu bewertet. Genau ging es um das potenzielle Aussetzen von ACE-Hemmern und Angiotensin-II-Rezeptorblockern (Sartane) vor größeren, nicht-kardiologischen Operationen. Denn während das Fortsetzen der Therapie einerseits zu einer Hypotonie führen kann, droht durch das Absetzen auf der anderen Seite eine Hypertonie – jeweils verbunden mit teils schweren gesundheitlichen Folgen. Beides wurde durch verschiedene Studien belegt, wobei den Autor:innen zufolge zuletzt deutlich wurde, dass es im Zusammenhang mit dem Absetzen zu einer deutlichen Abnahme von Hypotonien und akuten Nierenschäden kam, während zugleich die Zahl postoperativer Hypertonien drastisch anstieg.
Das Ergebnis der aktuellen Untersuchung: Vor allem bei Patient:innen mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion sollte die Behandlung oftmals trotz Operation fortgesetzt werden, um im Anschluss daran das Risiko für eine deutliche Verschlechterung der Beschwerden zu verringern.
Entscheidend ist jedoch, neben den individuellen Faktoren von Patient:innen auch das jeweilige operative Risiko zu beachten, so der Appell. Dennoch lasse sich eher ein Trend hin zum Fortführen statt Absetzen von Blutdrucksenkern wie ACE- und Angiotensin-II-Hemmern vor operativen Eingriffen erkennen. Fest steht zudem: Kommt es zu einem vorübergehenden Aussetzen, sollte die Therapie nach der Operation möglichst schnell wieder aufgenommen werden, um den langfristigen therapeutischen Nutzen zu erhalten.
Wirkstoffcheck
Sartane greifen in das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) ein, indem sie als selektiver Antagonist am AT1-Rezeptor wirken. Dadurch wird die Wirkung von Angiotensin II an diesem Rezeptor gehemmt. Außerdem werden die Natrium-Ausscheidung sowie die Reabsorption von Kalium gefördert.
ACE-Hemmer sorgen für eine Hemmung des Angiotensin Converting Enzyms (ACE), wodurch die Bildung von Angiotensin I zu Angiotensin II reduziert wird. Die Wirkstoffe greifen in das RAAS ein und es wird vermehrt Natrium ausgeschieden sowie Kalium reabsorbiert.
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