Thrombosegefahr: Warfarin nicht eigenmächtig absetzen
Werden Patient:innen Arzneimittel zur Behandlung von Erkrankungen verordnet, ist im Hinblick auf das Therapieende Vorsicht geboten. Denn dies sollte in der Regel nicht auf eigene Faust erfolgen. Das zeigt ein Fallbericht, bei dem das eigenmächtige Absetzen von Warfarin zu akuter Atemnot und Thrombose führte.
Warfarin gehört ebenso wie Phenprocoumon zu den Vitamin-K-Antagonisten, die die Vitamin-K-vermittelte Aktivierung der Gerinnungsfaktoren vermindern. Die Wirkung setzt nicht sofort ein, sondern erst, wenn alle noch im Körper vorhandenen Gerinnungsfaktoren verbraucht sind. Zum Einsatz kommt der Wirkstoff zur Behandlung und Prophylaxe von Thrombose und Embolie sowie bei der Langzeitbehandlung eines Herzinfarktes, wenn ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Komplikationen besteht.
Wird Warfarin mit anderen Arzneimitteln kombiniert, drohen Wechselwirkungen. Ein Beispiel ist die gleichzeitige Anwendung von Erythromycin, die zu einer Wirkverstärkung führen kann. Doch auch das Absetzen von Warfarin kann gefährlich werden – insbesondere auf eigene Faust.
Warfarin: Absetzen kann Thromboserisiko erhöhen
Eine 60-jährige Patientin sollte wegen eines Knotens in der Lunge operiert werden. Kurz zuvor wurde bei ihr Vorhofflimmern festgestellt, das mit Warfarin behandelt wurde. Doch die Frau setzte die Therapie vor der Operation eigenmächtig ab. Rund eine Woche später wurde sie mit akuter Atemnot in die Notaufnahme eingeliefert. Bei der Diagnose zeigte sich, dass sich eine 3,5 cm große kardiale Masse – ein Thrombus – in der linken Herzhälfte gebildet hatte. Diese musste sofort chirurgisch entfernt werden, um das Risiko einer Ablösung zu umgehen.
Den Grund für die Beschwerden sehen die Expert:innen im eigenmächtigen Absetzen von Warfarin. So wird in den Fachinformationen Warfarin-haltiger Arzneimittel bei der Anwendung zur Thromboseprophylaxe vor einem zu frühen Absetzen gewarnt, da dies das Thromboserisiko (wieder) erhöhen kann. „Ein abruptes Absetzen von Warfarin kann einen Rebound-Hyperkoagulabilitätszustand auslösen und das Risiko für thrombotische Ereignisse vorübergehend erhöhen“, heißt es auch im Fallbericht.
Die Patientin soll nun entsprechend der Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie eine Dauertherapie mit Warfarin erhalten, um weiteren Ereignissen vorzubeugen.
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