Migräne: Akupunktur wirksamer als Arzneimittel?
Etwa jede/r Zehnte leidet hierzulande unter einer der unterschiedlichen Formen von Migräne. Neben einer gezielten Behandlung bei akuten Attacken zählt auch die richtige Strategie zur Prophylaxe. Dafür könnte künftig eine Akupunktur statt Arzneimitteln zur Vorbeugung von Migräne ins Spiel kommen.
Erst kürzlich wurde die S1-Leitlinie zur Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) aktualisiert. Das Ergebnis: Triptane bleiben der Goldstandard in der Behandlung. Die Wirkstoffe stimulieren Serotonin (5-Hydroxytryptamin)-Rezeptoren und besitzen gefäßverengende, entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften.
Geht es um die Prophylaxe von Migräneattacken, kommen laut Empfehlung neben Gepanten wie Rimegepant und Atogepant auch Propranolol, Topiramat und monoklonale Antikörper ins Spiel. Doch wie sich nun zeigt, kann eine Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne wirksamer sein als Arzneimittel – zumindest als bestimmte Wirkstoffe.
Migräne: Akupunktur zur Prophylaxe?
Das ist das Ergebnis einer Auswertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses. Bisher wird eine Akupunktur zur Migräneprophylaxe als Selbstzahlerleistung im IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes als „tendenziell positiv“ eingestuft. In der aktuellen Bewertung wird der Methode jedoch zumindest ein „Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen“ gegenüber einer medikamentösen Behandlung gemäß Leitlinien zugesprochen.
Dafür wurden die Ergebnisse aus fünf randomisierten, kontrollierten Studien berücksichtigt. Dabei kamen die Expert:innen zu dem Schluss, dass der Nutzen im Vergleich zu möglichen Risiken beziehungsweise Schäden durch Nebenwirkungen größer ausfallen dürfte. Am größten war der Nutzen dabei im Zeitraum von vier Monaten nach Behandlungsbeginn. Nach sechs Monaten nahm dies jedoch ab, sodass sich keine signifikanten Vorteile mehr feststellen ließen.
Das Problem: Verglichen wurde die Akupunktur zur Prophylaxe von Migräne nur mit älteren Arzneimitteln, da bisher keine Studien im Vergleich zu einer Prophylaxe mit inzwischen häufig eingesetzten Betablockern oder den neueren Antikörpern zu finden waren. „Daher bleibt das Bewertungsergebnis auf den Vergleich mit (einigen) älteren Medikamenten begrenzt und die Übertragbarkeit auf den deutschen Versorgungskontext ist eingeschränkt“, heißt es.
Zum Vorbericht des IQWiG können Fachgesellschaften und Co. nun bis Ende Dezember Stellung nehmen, bevor es Anfang 2026 zur mündlichen Erörterung und einem Abschlussbericht mit konkreten Empfehlungen kommt.
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