Ibu und PCM: Antibiotikawirkung in Gefahr
Schmerzmittel mit Wirkstoffen wie Ibuprofen und Paracetamol (PCM) gehören zu den Schnelldrehern in der Apotheke. Doch in Kombination mit anderen Arzneimitteln drohen verschiedene Wechselwirkungen. Genau können Ibu und PCM die Wirkung von Antibiotika verringern beziehungsweise die Entstehung von Antibiotikaresistenzen fördern, wie sich nun zeigt.
Immer wieder schlagen Expert:innen Alarm, dass die Zahl der Antibiotikaresistenzen stetig zunimmt. So hat das Robert-Koch-Institut mehrere tausend Todesfälle darauf zurückgeführt. Nun macht ein Forscherteam deutlich: Häufig genutzte Schmerzmittel wie Ibuprofen und PCM können Antibiotikaresistenzen fördern. Grund dafür sind vermehrte Mutationen bei Bakterien wie Escherichia coli (E. coli), die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass diese gegen Antibiotika resistent werden. Auch andere Wirkstoffe können einen ähnlichen Effekt haben.
Zur Erinnerung:
Ibuprofen ist ein nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR) und hemmt die Cyclooxygenasen COX-1 und COX-2 und somit die Prostaglandinbildung. Der Wirkstoff besitzt schmerzlindernde, fiebersenkende und entzündungshemmende Eigenschaften. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen unter anderem gastrointestinale Beschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit und Co. Doch auch tödliche Leberschäden können drohen.
Paracetamol wird in der Leber metabolisiert und kommt ebenfalls zur symptomatischen Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen und/oder Fieber zum Einsatz. Das Acetamid besitzt analgetische und antipyretische Eigenschaften. Letztere werden auf einen Einfluss auf das Temperaturregulationszentrum im Hypothalamus zurückgeführt. Außerdem bewirkt Paracetamol eine Hemmung der cerebralen Prostaglandinsynthese und hemmt die periphere Prostaglandinsynthese nur schwach. Der genaue Wirkmechanismus ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Wegen E. coli-Mutationen: Ibu und PCM fördern Antibiotikaresistenzen
Ein Team der University of South Australia hat insgesamt neun Wirkstoffe untersucht. Dazu gehörten neben Ibuprofen und Paracetamol auch
- Diclofenac
- Metormin
- Furosemid
- Atorvastatin
- Tramadol
- Temazepam
- Pseudoephedrin
Überprüft wurde der Einfluss der Wirkstoffe auf im Körper vorhandene E. coli-Bakterien – sowohl allein als auch in Kombination mit Antibiotika wie Ciprofloxacin.
Das Ergebnis: Unter mehreren Schmerzmitteln, vor allem aber unter Ibuprofen und PCM fanden mehr Mutationen statt – sowohl mit als auch ohne gleichzeitige Anwendung eines Antibiotikums. Dadurch wuchsen die Bakterien schneller und wurden auch zunehmend resistent. Diese Resistenz richtete sich anschließend auch gegen mehrere Antibiotika aus verschiedenen Klassen (Multiresistenz). Grund dafür war, dass die Schmerzmittel Mechanismen aktivierten, mit denen die Bakterien Antibiotika nach außen befördern können, wodurch die Wirksamkeit verringert wurde.
„Insgesamt liefert diese Studie Hinweise darauf, dass Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen in Kombination mit Ciprofloxacin nicht nur die Mutationshäufigkeit signifikant erhöhen, sondern auch zu multipler Antibiotikaresistenz führen“, heißt es von den Autor:innen. Werden Patient:innen also mit mehreren Arzneimitteln behandelt, ist Vorsicht geboten. Die Forschenden fordern weitere Studien bei Menschen, die langfristig mehrere Medikamente einnehmen, um besser zu verstehen, wie verschiedene Arzneimittel die Wirksamkeit von Antibiotika beeinflussen.
Übrigens: Unter Ibuprofen wird in den Fach- und Gebrauchsinformationen bereits vor der gleichzeitigen Einnahme von Chinolon-Antibiotika wie Ciprofloxacin und Ofloxacin gewarnt. Denn dadurch können Risiken wie das Auftreten von Krampfanfällen verstärkt werden.
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