Wirksamkeit auf dem Prüfstand: Booster-Impfung senkt Infektionsrisiko deutlich
Während hierzulande die Auffrischimpfungen erst am Anfang stehen, laufen sie andernorts bereits seit Wochen. Und das scheint sich auszuzahlen. Wie erste Studienergebnisse zeigen, soll die Booster-Impfung das Infektionsrisiko drastisch senken, und zwar um mehr als das Zehnfache.
Booster-Impfung, ja oder nein? Diese Frage wird seit Wochen diskutiert. Seit 1. September sind hierzulande Auffrischimpfungen gegen das Coronavirus möglich. Anspruch haben zunächst vor allem Personen mit einer schwachen Immunantwort, Höchstbetagte, Bewohner:innen von Pflegeeinrichtungen sowie seit Neuestem beispielsweise auch Pflegekräfte und medizinisches Personal. Eine offizielle Empfehlung der Ständigen Impfkommission zur Auffrischimpfung gibt es bisher nicht. Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung haben die Expert:innen jedoch einen Beschlussentwurf vorgelegt, wonach sie die Booster-Impfung Personen mit einer Immundefizienz empfehlen. Doch was bringt eine weitere Dosis mit Spikevax (Moderna) oder Comirnaty (BioNTech/Pfizer) überhaupt? Offenbar viel, wie Daten aus Israel zeigen. Die dort erfolgten Booster-Impfungen konnten das Infektionsrisiko um mehr als das Zehnfache senken.
Aber von vorn: Bereits seit Sommer können sich in Israel Personen über 60 Jahre, die mindestens fünf Monate zuvor eine erste Impfserie erhalten haben, eine Auffrischimpfung mit Comirnaty verabreichen lassen. Inzwischen besteht das Angebot für alle Impfwilligen. Höchste Zeit für eine Zwischenbilanz. Und die fällt positiv aus.
Anhand von Daten des israelischen Gesundheitsministeriums zu mehr als 1,3 Millionen Personen haben Forscher:innen der Technischen Universität in Haifa den Effekt der zusätzlichen Dosis untersucht. Dafür wurden Booster-Geimpfte mit geimpften Personen ohne Auffrischimpfung verglichen. Demnach infizierten sich Erstere zwölf Tage nach der Auffrischung rund zehnmal seltener mit SARS-CoV-2 als Letztere. Mehr noch: Die Zahl der schweren Verläufe war in der Auffrisch-Gruppe fast um das Zwanzigfache geringer. Demnach senkt die Booster-Impfung nicht nur das Infektionsrisiko.
Die Ergebnisse zeigen allerdings auch: Bis der Booster-Schutz vollständig greift, dauert es einige Tage. So lag dieser vier bis sechs Tage nach der Verabreichung noch deutlich niedriger als nach zwölf Tagen. Dennoch „unterstreicht die nachgewiesene Verringerung der Infektionsrate die wichtige Rolle, die eine Auffrischungsimpfung bei der Abschwächung der Auswirkungen der nachlassenden Immunität und der Umgehung des Immunsystems spielen könnte, insbesondere während des Auftretens bedenklicher Varianten wie der Delta-Variante“, heißt es in der Studie.
Den Forscher:innen zufolge liefern ihre Ergebnisse wichtige Hinweise in puncto Wirksamkeit der Auffrischimpfung. Nun müssten weitere Studien auch den langfristigen Effekt untersuchen sowie neue Virusvarianten berücksichtigen.
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