Vitamin D und Calcium gegen Knochenbrüche: Unnütze Empfehlung
Neben dem natürlichen, mit dem Alterungsprozess verbundenen Verlust von Knochenmasse sorgen vor allem Stürze bei älteren Menschen dafür, dass es häufig zu Knochenbrüchen kommt. Zur Vorbeugung werden häufig Vitamin D, Calcium oder eine Kombination aus beidem empfohlen. Doch offenbar zu Unrecht.
Vitamin D reguliert den Calcium- und Phosphathaushalt im Körper und trägt unter anderem zur Gesundheit von Knochen, Zähnen und Muskeln bei. In Kombination mit Calcium gehört das Sonnenvitamin – genau Vitamin D3 – zur Basistherapie der Osteoporose. Denn Vitamin D3 hemmt außerdem die Bildung des Parathormons, das den Knochenabbau fördert. Ist die Knochendichte hoch, sinkt das Frakturrisiko. Außerdem wird das Zusammenspiel zwischen Muskulatur und Nerven verbessert. Ist die Muskelkraft hoch, können Patient:innen von einem besseren Gleichgewicht und stärkerer Beinkraft profitieren, sodass weniger Stürze zu erwarten sind.
Übrigens: Bereits vor Längerem haben Expert:innen die Kombi aus Vitamin D und Calcium auch zur Prophylaxe von Schwindel beziehungsweise zur Verringerung von entsprechenden Attacken ins Spiel gebracht.
Doch nun zeigt sich: Die Empfehlung zur Einnahme von Vitamin D und Calcium gegen Knochenbrüche ist offenbar unnütz.
Vitamin D und/oder Calcium: Kein Einfluss auf Knochenbrüche?
Demnach können weder die beiden Substanzen allein noch eine Kombination ältere Menschen nachhaltig vor Knochenbrüchen und Stürzen schützen, wie Forschende nun herausgefunden haben. Dafür hat ein Team vom CIUSSS du Nord-de-l’Île-de-Montréal in Québec (Kanada) die Ergebnisse aus 69 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt knapp 154.000 Teilnehmenden ausgewertet. In allen Untersuchungen wurde die Wirkung von Calcium- oder Vitamin D-Präparaten – oder einer Kombination aus beidem – auf die Verringerung von Knochenbrüchen und Stürzen im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung überprüft. Als primärer Endpunkt galt das Risiko für Frakturen jeglicher Art. Sekundäre Endpunkte waren das Risiko von Hüftfrakturen, nicht-vertebrale Frakturen, Wirbelfrakturen und Stürze sowie die Gesamtzahl der Stürze.
Das Ergebnis der Metaanalyse: Die Supplementierung hatte kaum oder keinen Einfluss auf das Auftreten von Knochenbrüchen. Demnach wurden die primären und sekundären Endpunkte unter der Einnahme ähnlich häufig beobachtet wie unter Placebo/keiner Behandlung. Eine generelle Empfehlung zur Einnahme von Vitamin D und/oder Calcium gegen Knochenbrüche und Stürze ist den Autor:innen zufolge demnach unnütz. Ob jedoch Menschen mit bestimmten Knochenerkrankungen oder einer medikamentösen Osteoporose-Behandlung womöglich zusätzlich davon profitieren könnten, muss noch weiter untersucht werden.
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