Status quo E-Rezept: Probleme bei Patientenversorgung vorprogrammiert?
Das E-Rezept kommt, und zwar voraussichtlich schneller als gedacht – wenn auch nicht flächendeckend. Am 1. September soll es verpflichtend in Bayern und Schleswig-Holstein eingeführt werden. Genaue Details fehlen. Fest steht: Die Apotheken haben bislang laut TI-Dashbord der gematik 17.427 E-Rezepte erfolgreich beliefert (Stand 18. Mai). Ziel ist es, in der Testphase 30.000 E-Rezepte abzurechnen. Nur knapp jede vierte Apotheke ist E-Rezept ready. Eine aktuelle aposcope-Befragung zum E-Rezept zeigt den Status quo. Ist das E-Rezept für die Apotheken eine Chance oder ein Killer und sind Probleme bei der Patientenversorgung vorprogrammiert?
85 Prozent der Apothekeninhaber:innen geben an, in ihrer Apotheke noch kein E-Rezept verarbeitet zu haben. Bei den angestellten Apotheker:innen und PTA sind es je 71 Prozent.
Und auch die Vorbereitungen laufen nicht gerade auf Hochtouren. „Wir bereiten uns aktiv in der Apotheke auf den Empfang von E-Rezepten vor“, sagen nur 45 Prozent der Inhaber:innen und 35 Prozent des HV-Personals.
Denn die Kolleg:innen sehen ihre Kernaufgabe, die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln, in Gefahr und rechnen mit Problemen – 90 Prozent der Inhaber:innen und 79 Prozent der angestellten Apotheker:innen und PTA haben Sorge, dass technische Fehler in der TI im Apothekenalltag zu Problemen bei der Patientenversorgung führen.
Aber die Teams fürchten nicht nur technische Probleme oder IT-Ausfälle. Hinzu kommen bei etwa acht von zehn Kolleg:innen Bedenken in puncto Problemen bei Rezeptänderungen. Und dennoch glauben nur 36 Prozent, dass es vermehrt zu Retaxationen kommen wird.
Auch die Abwanderung der Kundschaft zum Online-/Versandhandel ist bei etwa der Hälfte (51 Prozent) der befragten Kolleg:innen ein Thema. Und dann sind da noch die Praxen. 82 Prozent glauben, dass die Praxen bis September auf keinen Fall E-Rezept ready sind.
Sehen die Kolleg:innen das E-Rezept für die Vor-Ort-Apotheken als Chance oder als Killer? Das wollte aposcope von den Kolleg:innen wissen.
Hier das Ergebnis: Die Inhaber:innen sehen zum Großteil schwarz – 65 Prozent sehen das E-Rezept als Apothekenkiller.
Und dann zeigt sich noch ein Generationsproblem, denn die Jüngeren sind zuversichtlicher. Vier von zehn angestellten Apotheker:innen und PTA bis 50 Jahre sehen das E-Rezept als Chance, ab 50 Plus sind es nur noch 31 Prozent.
Was hilft, ist Zeit – da sind sich Inhaber:innen und Angestellte ausnahmsweise einig. „Wir brauchen noch Zeit bis Januar 2023, damit wir mit E-Rezepten arbeiten können“, sagen 41 Prozent der Chef:innen und 42 Prozent der Mitarbeitenden.
Und was, wenn es doch früher kommt? Hand aufs Herz. Wie gut fühlen sich die Apotheken auf die Einführung des E-Rezepts vorbereitet? Die Mehrheit der Inhaber:innen 56 Prozent sagt gut oder eher gut. Die Teams sehen mehr Nachholbedarf – nur 35 Prozent fühlen sich Stand jetzt gut vorbereitet.
Was sagt die Standesvertretung? Die Digital-Expertin des DAV Anke Rüdinger sieht zwar noch einige Herausforderungen, aber trotzdem: „Die Apotheken sind E-Rezept-ready. Sie haben sich Institutionskarten, Heilberufsausweise, Konnektoren, Scanner und Kartenlesegeräte angeschafft.“ Kurzum: Die Apotheken sind für den Start im September gut aufgestellt. Und doch werde es in der ersten Zeit noch sehr viele auf Papier ausgedruckte E-Rezepte geben.
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