Salbutamol: Medikationsfehler wegen fehlendem Zählwerk?
Weil bei Salbutamol-Druckgasinhalatoren ein Dosiszählwerk fehlt, wurde über mitunter tödliche Medikationsfehler berichtet. Doch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sieht keinen Zusammenhang. Stattdessen können vor allem Lieferengpässe ein Grund für spätere Anwendungsfehler sein.
Im aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit informiert das BfArM über Medikationsfehler bei Salbutamol-Druckgasinhalatoren. Genau wurden im Vereinigten Königreich zahlreiche Berichte mit zum Teil tödlichem Ausgang gemeldet, nachdem es zu Anwendungsfehlern von Salbutamol-/Sultanolhaltiger Arzneimitteln kam. Denn weil die Dosieraerosole nur ausreichend Wirkstoff für 200 Sprühstöße, aber kein Dosiszählwerk beinhalten, kam es zur irrtümlichen Anwendung bereits leerer Präparate, was vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu schweren Asthmaverschlechterungen führte, wenn zusätzlich kein ein Ersatzinhalator zur Verfügung stand.
Das BfArM hat daraufhin mehr als 900 europäische und nationale Fallberichte zu Medikationsfehlern mit Salbutamol-Druckgasinhalatoren ausgewertet, um deren Ursprung auszumachen und mögliche Fehlerquellen bei der Anwendung zu identifizieren. Entsprechende Zusammenhänge zum fehlenden Dosiszählwerk konnten dabei nicht festgestellt werden. So wurden lediglich vereinzelte Hinweise auf Probleme wie blockierte oder fehlerhaft funktionierende Ventile, vorzeitige Entleerungen, fehlende Sprühstöße oder fehlende Druckgasabgabe sowie eine subjektiv empfundene fehlende oder unzureichende Wirkung beobachtet.
Salbutamol-Engpässe erhöhen Risiko für Medikationsfehler
Stattdessen kann die seit Längerem angespannte Versorgungslage das Risiko für Medikationsfehler bei Salbutamol erhöhen. Demnach seien viele Fehler im Zusammenhang mit Lieferengpässen weniger auf spezifische technische Eigenschaften einzelner Produkte zurückzuführen, sondern vielmehr auf die insgesamt komplexere Versorgungssituation. Der Grund: häufige Device-Wechsel.
„Unterschiedliche Dosierinhalationssysteme erfordern häufig unterschiedliche Inhalationstechniken und variieren bezüglich Atemflussanforderungen, Koordination von Auslösung und Inhalation sowie Wahrnehmung der abgegebenen Dosis“, heißt es im Bulletin. Erfolgt bei einer Umstellung keine entsprechende Schulung von Patient:innen, steigt folglich das Risiko für Anwendungsfehler.
Salbutamol: Bei Device-Umstellung pDL anbieten
„Vor dem Hintergrund der beschriebenen Risiken und der aktuellen Versorgungssituation kommt der strukturierten Beratung durch Apothekerinnen und Apotheker zur Inhalationstechnik Salbutamol-haltiger Inhalatoren eine zentrale Bedeutung zur Vermeidung von Medikationsfehlern zu“, heißt es dazu von der AMK. Kein Wunder, dass die Expert:innen ebenso wie das BfArM zu einem verstärkten Angebot der pharmazeutischen Dienstleistung (pDL) „Erweiterte Einweisung in die korrekte Arzneimittelanwendung mit Üben der Inhalationstechnik“ appelliert. Außerdem soll die Checkliste zur korrekten Anwendung inhalativer Arzneimittel um einen klaren Warnhinweis zu potenziell leeren Dosieraerosolen ohne Zählwerk und ohne wahrnehmbaren Sprühstoß ergänzt werden.
Zudem soll das Fachpersonal eine regelmäßige Überprüfung von Inhalatoren, die kontinuierliche Schulung der Inhalationstechnik und ein strukturiertes Management von Ersatzinhalatoren gewährleisten. Auch Patient:innen sollen entsprechend sensibilisiert werden, ihre Inhalatoren aufmerksam zu kontrollieren. Dazu gehört neben einer Sicht- und Funktionsprüfung auch die Sicherstellung der durchgehenden Verfügbarkeit in Notfallsituationen, sodass nicht erst bei Anzeige „0“ auf dem Inahalator ein neues Device beschafft wird.
Übrigens: Kürzlich informierte der Beirat für Liefer- und Versorgungsengpässe über eine Stabilisierung der Versorgung mit Salbutamol-haltigen Dosieraerosolen.
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