PPI erhöhen Krebssterblichkeit – oder?
Das Prinzip „Keine Wirkung ohne Nebenwirkung“ gilt auch bei Wirkstoffen aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer (PPI). Vor allem bei Krebs ist Vorsicht geboten, denn die Überlebenschance verringert sich bei einigen Tumorarten. Was der Grund für die erhöhte Krebssterblichkeit unter PPI ist, ist noch unklar.
Protonenpumpeninhibitoren (PPI) zählen zu den am häufigsten verordneten Medikamenten weltweit und kommen vor allem als Magenschutz zum Einsatz. Omeprazol, Pantoprazol und Co. tragen durch eine irreversible Hemmung der Protonenpumpe dazu bei, die Magensäureproduktion zu reduzieren und sind somit Mittel der Wahl zur Behandlung säurebedingter Magen-Darm-Beschwerden. Daneben kommen die Wirkstoffe zur Behandlung von verschiedenen Ulzera, der Refluxkrankheit oder Heliobacter pylori im Rahmen der Triple-Therapie zum Einsatz.
Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehört unter anderem ein verringerter Vitamin B12-Spiegel. Doch damit nicht genug. Denn vor allem bei Krebspatient:innen können die Wirkstoffe einen negativen Effekt haben. So können PPI die Krebssterblichkeit erhöhen – unter anderem bei Hirntumoren (Glioblastome).
Ein Glioblastom stellt die häufigste und aggressivste Form eines Gehirntumors bei Erwachsenen dar. Der Tumor entsteht aus Gliazellen, wächst sehr schnell und infiltriert das umliegende Gewebe. Zu den Symptomen gehören Kopfschmerzen, Sehstörungen, Lähmungen, epileptische Anfälle und Persönlichkeitsveränderungen. Behandelt wird durch eine Operation sowie anschließende Bestrahlung und Chemotherapie.
PPI: Krebssterblichkeit bei Hirntumoren erhöht
PPI kommen nicht nur zur Vorbeugung von Magenbeschwerden, beispielsweise unter der Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika, zum Einsatz, sondern häufig auch bei Krebspatient:innen zur Linderung der mit der Behandlung verbundenen Beschwerden. Denn Omeprazol und Co. können die Aktivität der Aldehyddehydrogenase 1A1 verstärken und so vor oxidativem Stress und den negativen Effekten von Bestrahlung und Chemotherapie schützen.
Doch die Anwendung birgt auch Schattenseiten. Wie eine Metaanalyse von Forschenden des Universitätsspitals Zürich (Schweiz) nun zeigt, ist unter PPI die Krebssterblichkeit erhöht, wenn Patient:innen unter einem Glioblastom leiden. Dafür wurden die Daten von knapp 3.000 Personen untersucht, die eine Chemotherapie mit Temozolomid erhielten. Ein Teil von ihnen wurde zusätzlich mit PPI behandelt und die Auswirkungen der Therapie zu vier Zeitpunkten analysiert.
Dabei zeigte sich: Die PPI-Einnahme war zu allen Zeitpunkten mit einem schlechteren progressionsfreien Überleben und Gesamtüberleben verbunden. Somit erhöhten PPI die Krebssterblichkeit. Die genauen Mechanismen, die dafür verantwortlich sind, müssten den Autor:innen zufolge weiter untersucht werden. Vermutet wird jedoch ein negativer Effekt über die Aktivierung der Aldehyddehydrogenase 1A1. Um die Überlebenschance nicht weiter zu beeinträchtigen, raten die Forschenden daher von einer Einnahme von PPI bei Vorliegen eines Hirntumors ab. Für andere Antazida wurde dagegen kein entsprechender Zusammenhang beobachtet.
Übrigens: Als PPI mit dem größten Wechselwirkungspotenzial gilt Omeprazol aufgrund der Metabolisierung durch CYP2C19.
Mehr aus dieser Kategorie
Codein/Paracetamol: Warnung vor Schlafapnoe, Sucht und Co.
Die Wirkstoffkombination aus Codein und Paracetamol gehört zu den Mitteln der Wahl in der Schmerzbehandlung. Doch nun müssen die Fach- …
Methotrexat: Medikationsfehler wegen elektronischem Medikationsplan
Der elektronische Medikationsplan (eMP) gibt einen Überblick über die Arzneimittel, die Versicherte einnehmen, und enthält medikationsrelevante Informationen. Somit können Wechselwirkungen …
DoxyPEP nicht als „Allheilmittel“ nutzen
Schon seit Längerem wird über die Einnahme von Doxycyclin zur Vorbeugung von sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) diskutiert. Doch die sogenannte …








