Off-Label-Use: Das sind die Wirkstoffe bei Covid-19
Für die Behandlung von Covid-19 werden derzeit unter anderem Wirkstoffe angewendet, die in anderen Indikationsgebieten zugelassen sind und deren Sicherheitsprofil entsprechend bekannt ist. Die AMK hat eine Übersichtstabelle “Off-Label-Use Covid-19” zu den einzelnen Wirkstoffen veröffentlicht, die über Neben- und Wechselwirkungen, Kontraindikationen und vieles mehr informiert.
Für die Covid-19-Therapie im Off-Label-Use von Patienten mit schweren Verlaufsformen sind (Hydroxy-) Chloroquin-Lbae, Lopinavir/Ritonavir (Kaletra) sowie die in Japan zugelassenen Wirkstoffe Favipiravir (Avigan) und Camostat (Foipan) potentielle Optionen. Das Bundesgesundheitsministerium hatte vor Kurzem über die zentrale Beschaffung der genannten Wirkstoffe informiert. Die Verteilung der Arzneimittel an ausgewählte Klinikapotheken soll die Bundeswehr übernehmen.
Die AMK informiert in einer tabellarischen Übersicht über Pharmakokinetik, Indikationsgebiet, Dosierung, relevante Neben- und Wechselwirkungen, Kontraindikationen sowie Warnhinweise und weitere Fakten.
Off-Label-Use Covid-19
Lopinavir/Ritonavir (HIV-1-Therapie)
- Test-Dosierung aus klinischen Studien: Tag 1 bis 14: 2mal täglich 400 mg Lopinavir/100 mg Ritonavir
- sehr häufige Nebenwirkungen: Durchfall, Übelkeit, Infektionen der oberen Atemwege
- Wechselwirkungen: Arzneistoffe, die stark CYP3A4 abhängig sind (zum Beispiel Terbinafin, Simvastatin, Midazolam, Vardenafil)
Favipiravir (Pandemie Influenzainfektion)
- Test-Dosierung aus klinischen Studien: Tag 1: 2mal täglich 1600 mg, Tag 2 bis 5: 2mal täglich 600 mg
- häufige Nebenwirkungen: Durchfall, Hypertriglyceridämie, Hyperurikämie
- Kontraindikation: Schwangerschaft
- Wechselwirkung: Theophyllin
Camostat (chronische Pankreatitis, postoperative Refluxösophagitis)
- Test-Dosierung aus klinischen Studien: Tag 1 bis 5: 3mal täglich 200 mg
- schwerwiegende Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit: anaphylaktischer Schock, Thrombozytopenie, Hyperkaliämie, hepatische Dysfunktion
- Kontraindikation: Reflux, schwerwiegende Pankreatitis
- Monitoring: Kaliumwerte, Leberenzyme
Hydroxychloroquin (Rheumatoide Arthritis, Malariaprophylaxe und -therapie)
- Test-Dosierung aus klinischen Studien: Tag 1: 2mal täglich 400 mg (Hydroxychloroquinsulfat), Tag 2 bis 5: 2mal täglich 200 mg oder 3mal täglich 200 mg über zehn Tage
- sehr häufige Nebenwirkungen: Übelkeit, Bauchschmerzen
- Kontraindikation: Retinopathie, Erkrankungen des blutbildenden Systems
- Wechselwirkung: QT-Zeit-Verlängerung: Antiarrhythmika, Antidepressiva, Chinolone, Domperidon, H1- Antihistaminika, Lithiumsalze, Makrolide, Agranulozytose in Kombi mit Clozapin
- Monitoring: Dosisreduktion auf maximal 3mg/kg/KG bei einer eGFR < 30ml/min; EKG-Überwachung bei Risikofaktoren
Chloroquin (siehe Hydroxychloroquin)
- Test-Dosierung aus klinischen Studien: Tag 1 bis 10: 2mal täglich 500 mg (Chloroquinphosphat)
Das könnte dich auch interessieren
Mehr aus dieser Kategorie
Wechseljahre: Rhabarber gegen Hitzewallungen und Co.?
Die Wechseljahre betreffen früher oder später jede Frau. Mitunter sind diese mit Beschwerden wie Hitzewallungen verbunden. Dabei kommen verschiedene Präparate …
Wirkstoff ABC: Lidocain vs. Benzydamin
Von A wie Amoxicillin, über B wie Budesonid bis Z wie Zopiclon: Die Liste der Wirkstoffe ist lang. Aber kennst …
Kein OTC-Switch: Metamizol bleibt verschreibungspflichtig
Kürzlich tagte der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht. Auf der Tagesordnung stand unter anderem ein Antrag auf einen OTC-Switch für Metamizol zur …











