Mit Zuckerwasser gegen Schmerzen?
Die Wahl der passenden Schmerztherapie ist vor allem bei Kindern entscheidend, um unerwünschte Wirkungen und mögliche Folgeschäden zu vermeiden. Das gilt erst recht bei der Behandlung von Babys. Um Neugeborenen mit Schmerzen Linderung zu verschaffen, könnte Zuckerwasser die Lösung sein.
Kaum ist ein Baby auf der Welt, stehen in der Regel zahlreiche Untersuchungen an, um den Gesundheitszustand zu überprüfen. Weil die Schmerzregulation bei den kleinen Patient:innen noch nicht ausgereift ist, können verschiedene Behandlungen jedoch besonders schmerzhaft für sie sein. Umso wichtiger ist eine passende Behandlung, um Abhilfe zu schaffen. Ein Team der Universität Toronto (Kanada) hat in einer Cochrane Review untersucht, welche Optionen dafür infrage kommen. Das Ergebnis: Zuckerwasser soll dabei helfen, Schmerzen effektiv zu lindern.
Genau sollen wenige Tropfen einer Saccharose-Lösung im Mund der betroffenen Babys dabei helfen, vermeintlich schmerzhafte Situationen wie eine Blutabnahme oder ähnliches leichter zu überstehen. „Dies ist eine kostengünstige, sichere Maßnahme, die innerhalb weniger Minuten wirkt und besonders hilfreich sein kann, wenn andere beruhigende Methoden wie Hautkontakt oder Stillen nicht möglich sind“, heißt es von den Forschenden.
Zuckerwasser verringert Wahrnehmung von Schmerzen
Für die Untersuchung hat das Team die Ergebnisse aus 29 Studien mit insgesamt knapp 2.800 Neugeborenen berücksichtigt. Die Babys wurden alle kurz nach der Geburt einer Venenpunktion unterzogen. Jeweils ein Teil von ihnen wurde zuvor mit Zuckerwasser gegen die Schmerzen behandelt, die entweder über eine Spritze direkt in den Mund, über einen Tropfer oder über einen mit der Lösung benetzten Schnuller verabreicht wurde. Die Konzentration betrug meist 24 Prozent, die Menge lag zwischen 0,1 und 2 ml. Der andere Teil der Babys wurde mit Wasser oder einer empfohlenen Standardtherapie wie Hautkontakt zu den Eltern behandelt. Einige Säuglinge erhielten hingegen keine Behandlung.
Dabei zeigte sich: Die Saccharose-Lösung sorgte im Vergleich zu den Alternativen dafür, dass weniger Schmerzen wahrgenommen wurden, und zwar ab rund zwei Minuten nach der Gabe und bis zu fünf Minuten danach. Wurde zusätzlich noch ein Schnuller genutzt, fiel das Ergebnis sogar noch positiver aus. Nur ein direkter Kontakt zu Müttern/Vätern war noch effektiver.
Die genauen Hintergründe sind bisher nicht geklärt, vermutet wird jedoch eine Stimulation der Geschmacksknospen in der Mundhöhle als Ursache. Nebenwirkungen wurden unter der Zuckerwasser-Behandlung nicht beobachtet – zumindest kurzfristig nicht. Welche Auswirkungen eine wiederholte Gabe langfristig haben könnte, muss noch weiter untersucht werden. Allein zur Beruhigung bei weinenden Babys sollte Zuckerwasser daher keine Option darstellen.
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