L-Thyroxin und Semaglutid: Das droht bei gleichzeitiger Anwendung
Levothyroxin (L-Thyroxin) gehört zu den Mitteln der Wahl bei Schilddrüsenpatient:innen. Doch in Kombination mit verschiedenen anderen Arznei- sowie Lebensmitteln ist Vorsicht geboten. Das gilt auch, wenn L-Thyroxin gleichzeitig mit GLP-1-Analoga wie Semaglutid angewendet wird. Was dabei droht, erfährst du von uns.
Dass L-Thyroxin-haltige Präparate besser mit Vorsicht kombiniert werden sollten, ist bekannt. Doch auch bei verschiedenen anderen Präparaten heißt es wachsam sein. Das gilt besonders für Diabetes-Patient:innen, die mit Insulin, Metformin oder anderen Antidiabetika behandelt werden. Der Grund: Die zusätzliche Gabe von L-Thyroxin-haltigen Präparaten kann die blutzuckersenkende Wirkung einschränken, sodass der Blutzuckerspiegel folglich nicht ausreichend gesenkt wird.
Doch umgekehrt droht unter der Kombination von L-Thyroxin und dem GLP-1-Analogon Semaglutid, das unter anderem auch bei Diabetes eingesetzt wird, eine Wirkverstärkung des Schilddrüsenpräparats.
Wirkstoffcheck
Levothyroxin entspricht dem Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) und ist in der Wirkung ähnlich. Der Wirkstoff kommt bei Schilddrüsenfunktionsstörungen zum Einsatz und soll die fehlenden körpereigenen Hormone ersetzen. Genau wird L-Thyroxin zur Schilddrüsenhormonsubstitution bei einer Hypothyreose genutzt.
Semaglutid ist ein GLP-1-Analogon und wirkt selektiv als GLP-1-Rezeptoragonist – bindet der Wirkstoff an den Rezeptor, wird dieser aktiviert. Dadurch wird einerseits der Blutzuckerspiegel glucoseabhängig durch Stimulation der Insulinsekretion und Senkung der Glucagonsekretion gesenkt. Andererseits kommt es zu einer Appetitreduktion und damit einer geringeren Energieaufnahme. Der Wirkstoff ist in verschiedenen Arzneimitteln enthalten, darunter Ozmepic und Wegovy (beide Novo Nordisk) und findet sowohl zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 als auch zur Gewichtsregulierung bei Personen mit einem entsprechendem Body Mass Index Anwendung. Mehr zum Wirkmechanismus erfährst du hier.
L-Thyroxin und Semaglutid: Schilddrüsenwerte überwachen
Während sich in den Fachinformationen Semaglutid-haltiger Präparate keine Hinweise bezüglich der Kombination mit L-Thyroxin-haltigen Arzneimitteln finden, wird bei letzteren explizit vor möglichen Risiken gewarnt. So heißt es unter anderem, dass die gleichzeitige Anwendung die Levothyroxin-Exposition beeinflussen kann. Genau war diese in Studien nach der Anwendung einer Einzeldosis Semaglutid – oral aufgenommen – um mehr als 30 Prozent erhöht. Die genauen Gründe dafür sind bisher nicht klar.
Ist dennoch eine parallele Behandlung angezeigt, sollten Patient:innen engmaschig überwacht und die entsprechenden Schilddrüsenparameter überwacht werden. Unter Umständen kann eine Dosisanpassung von L-Thyroxin erforderlich sein.
Übrigens: GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid standen unter Verdacht, das Risiko für Schilddrüsenkrebs zu erhöhen. Eine Untersuchung im Auftrag des Ausschusses für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz der Europäischen Arzneimittelagentur konnte dies jedoch nicht bestätigen.
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