Hypoglykämie: Risiko für Netzhautschäden
Leiden Patient:innen an unkontrollierten Blutzuckerwerten, kann dies unbehandelt gefährlich werden. So erhöht beispielsweise Diabetes mellitus das Herz-Kreislauf-Risiko und kann Nieren- und Nervenprobleme verursachen. Und auch Augenprobleme sind möglich. Die Rede ist von diabetischer Retinopathie. Doch nicht nur ein erhöhter Blutzucker, sondern auch eine Hypoglykämie kann zu Netzhautschäden führen, zeigen Forschende.
Von einer Hypoglykämie – Unterzuckerung – ist die Rede, wenn die Blutzuckerwerte unter 70 mg/dl beziehungsweise 3,9 mmol/l sinken. Symptome können unter anderem Schwitzen, Zittern, Heißhunger, Herzklopfen, Seh- und/oder Sprachstörungen sowie Bewusstseinstrübungen sein. Leichte Unterzuckerungen können durch die Gabe von Kohlenhydraten abgefedert werden, in schweren Fällen ist schnelle medizinische Hilfe nötig. Hinzukommt, dass eine Hypoglykämie auch zu Netzhautschäden führen kann.
Eine diabetische Retinopathie entsteht hauptsächlich, wenn sich durch eine hohe Zuckerkonzentration im Blut die Blutgefäße der Netzhaut verändern. Während die Erkrankung zu Beginn meist symptomlos verläuft und daher unbemerkt bleibt, können sich langfristig ohne Behandlung erhebliche Sehbeeinträchtigungen entwickeln.
Diabetische Retinopathie: Hypoglykämie erhöht Risiko für Netzhautschäden
Ein japanisches Forscherteam der Universität Tokio hat untersucht, ob und wie sich neben einer Hyperglykämie auch eine Unterzuckerung im Hinblick auf diabetische Retinopathie auswirkt. Genau ging es um die Frage, ob auch Hypoglykämie das Risiko für Netzhautschäden ebenfalls erhöht.
Dafür wurden die Daten von rund 2.540 Patient:innen im Alter von 45 bis 69 Jahren mit Diabetes Typ 2 analysiert, die ursprünglich an der randomisierten, kontrollierten offenen Studie J-DOIT3 (Japan Diabetes Optimal Integrated Treatment Study for 3 Major Risk Factors of Cardiovascular Diseases) teilgenommen hatten. Ein Teil von ihnen wurde leitliniengetreu behandelt, der andere Teil erhielt eine Intensivtherapie, um die Blutzuckerwerte zu stabilisieren und mindestens einen LDL-Wert von < 80 mg/dl zu erreichen. Bei rund 700 Patient:innen entwickelte sich während der Studie eine diabetische Retinopathie.
Dabei zeigte sich: Nicht nur erhöhte Blutzuckerwerte, sondern auch leichte Formen von Hypoglykämie erhöhten das Risiko für Netzhautschäden in Form einer diabetischen Retinopathie. Bereits ab durchschnittlich 0,5 Episoden von Unterzuckerung jährlich stieg das Risiko demnach um bis zu 25 Prozent. Kam es zu mehr als einer Hypoglykämie/Jahr lag der Wert sogar bei 85 Prozent. Den Grund für das erhöhte Risiko sehen die Forschenden in einem während der Hypoglykämie erhöhten Insulinspiegel, der sich auf das Endothel auswirkt und so eine Retinopathie begünstigen kann. Eine bereits bestehende Erkrankung wurde jedoch durch Unterzuckerung nicht in ihrem Fortschreiten beschleunigt.
Die Ergebnisse machen den Forschenden zufolge einmal mehr deutlich, wie wichtig die regelmäßige Blutzuckerkontrolle bei entsprechenden Patient:innen ist, um auch Hypoglykämien und damit womöglich einhergehende Netzhautschäden zu verhindern. Da schwere Unterzuckerungen jedoch nur selten auftraten, brauche es weitere Untersuchungen, um die Beobachtungen zu bestätigen.
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