HRT und Demenz: (K)ein Zusammenhang?
Der Einsatz einer Hormonersatztherapie (HRT) zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden wird immer wieder diskutiert – vor allem aufgrund möglicher Nebenwirkungen. Ob dazu auch ein erhöhtes Risko für Demenz unter einer HRT gehört, zeigen aktuelle Studienergebnisse.
Etwa jede dritte Frau durchlebt die Wechseljahre mit starken Beschwerden wie Hitzewallungen und Co. Neben verschiedenen Phytopharmaka findet zur Linderung eine HRT Anwendung. Ziel ist es, das Hormonungleichgewicht im Körper abzufedern. Denn etwa ab dem 45. Lebensjahr beginnt die hormonelle Umstellung, bei der die Produktion von Östrogen und Progesteron in den Eierstöcken abnimmt. Die Folgen: Die Zyklen werden unregelmäßiger, der Eisprung und schließlich auch die Regel bleiben aus und die fruchtbare Phase endet.
Um die mit dem hormonellen Ungleichgewicht einhergehenden Beschwerden zu lindern, kommen Hormonersatzpräparate ins Spiel. Zur Verfügung stehen sowohl Monopräparate in Form einer Östrogentherapie als auch Kombinationspräparate aus Östrogen und Gestagen als Creme, Tablette, Pflaster oder Injektionen. Bei der Dosierung gilt jedoch: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Denn es drohen unerwünschte Wirkungen. Ob eine HRT das Risiko für Demenz erhöht, haben Forschende untersucht – und geben Entwarnung.
HRT: Erhöhtes Risiko für Demenz nicht belegt
Ein Team des University College London hat im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer Metaanalyse die Daten von zehn Studien mit insgesamt mehr als einer Million Teilnehmerinnen ausgewertet. Dabei ging es um den Einfluss einer in der Peri- oder Postmenopause eingesetzten HRT auf das Demenzrisiko. Verglichen wurden dafür Frauen, die entsprechend behandelt wurden und Patientinnen, die keine HRT erhielten.
Generell ließen sich dabei keine signifikanten Unterschiede erkennen. So fanden sich zwar mitunter Hinweise auf ein erhöhtes Demenzrisiko unter HRT, doch die Expert:innen stuften die Qualität und Sicherheit der entsprechenden Studie als zu gering ein, um tatsächlich von einer erhöhten Gefahr zu sprechen. Auf der anderen Seite ließ sich auch kein positiver Effekt der Behandlung auf die kognitiven Fähigkeiten beziehungsweise das Potenzial für die Entwicklung einer Demenzerkrankung feststellen.
„Insgesamt stützen die bisher verfügbaren Erkenntnisse weder eine Hormonersatztherapie allein zur Risikominderung von Demenz noch eine Erhöhung des Demenzrisikos durch die Hormonersatztherapie“, fassen die Forschenden daher zusammen. Daher sollte bei der Verordnung einer HRT stets eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung abseits des Demenzrisikos vorgenommen werden. Zudem brauche es weitere klinische Studien, um den Zusammenhang näher zu untersuchen, auch im Hinblick auf Wirkstoffe, Behandlungsdauer, Dosierung und weitere Faktoren.
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