Engpass bei Isotretinoin: Stückeln als Alternative?
Isotretinoin ist derzeit nicht vollumfänglich lieferfähig. Mehrere Hersteller haben Lieferengpässe beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet – einige bis Jahresende. Um Akne-Patient:innen zu versorgen, könnte Stückeln eine Alternative sein.
Basics hat bereits im Herbst vergangenen Jahres Lieferengpässe für Isotretinoin-haltige Weichkapseln zu 10 und 20 mg in verschiedenen Packungsgrößen gemeldet. Inzwischen haben auch Almirall und Galenpharma Nichtverfügbarkeiten beim BfArM öffentich gemacht. Apothekenverbände nutzen den Engpass, um über die Teilmengenabgabe zu informieren.
Ein Beispiel: Ist ein Isotretinoin-Präparat zu 10 mg und 30 Weichkapseln verordnet, aber nur eine Packung zu 60 Stück verfügbar, kann gestückelt und eine Teilmenge abgegeben werden – auch wenn auf einen anderen Hersteller aut-idem-konform ausgetauscht wird.
Dazu wird aus der Packung zu 60 Stück die verordnete Menge von 30 Kapseln entnommen und die entsprechende Packung zu 30 Stück abgerechnet.
Der Abgabedatensatz muss bei E-Rezepten enthalten:
- die PZN der 30er-Packung sowie den Verkaufspreis der 30er-Packung
- die Chargenbezeichnung der verwendeten 60er-Spenderpackung,
- Zusatzattribut Gruppe 16 sowie die PZN der verwendeten 60er-Spenderpackung
Wird ein Papierrezept beliefert, sind erforderlich:
- Sonderkennzeichen Nichtverfügbarkeit 02567024 und entsprechender Faktor 2, 3 oder 4,
- PZN der abgegebenen 30er-Packung und deren Preis.
- Kürzel „TMA“ (Teilmengenabgabe)
Die Zuzahlung orientiert sich am verordneten Arzneimittel.
Verordnungen über Isotretinoin sind laut § 3b Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) für Frauen im gebärfähigen Alter bis zu sechs Tage nach dem Tag ihrer Ausstellung gültig. Außerdem darf in dem Fall der Bedarf für 30 Tage nicht überschritten werden. So sollen regelmäßige Arztbesuche sichergestellt werden. Sind der Behandlungszeitraum oder die Dosierung nicht bekannt, sollte sicherheitshalber Arztrücksprache gehalten werden.
Isotretinoin zählt zu den Retinoiden. Das Stereoisomer von Tretinoin wird zur Aknebehandlung eingesetzt – sowohl oral als auch lokal. Der Arzneistoff verursacht eine Zerkleinerung der Talgdrüsen, deren verminderte Differenzierung sowie eine verminderte Talgproduktion. Isotretinoin führt zu einer Hyperkeratinisierung und Abschilferung der Keratinozyten. Die Sebozyten-Proliferation wird gemindert und damit auch die bakterielle Besiedlung mit dem Aknebakterium. Außerdem werden Isotretinoin entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben.
Mittel der ersten Wahl ist das Retinoid nicht, denn der Arzneistoff ist teratogen und in der Schwangerschaft kontraindiziert. Frauen im gebärfähigen Alter sollten nur mit Isotretinoin behandelt werden, wenn sie das Schwangerschaftsverhütungsprogramm befolgen.
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