Eisenmangel: Eisenpräparate erhöhen Risiko für Knochenbrüche
Schätzungsweise bis zu jede/r Dritte leidet an Eisenmangel. Dieser gilt weltweit als häufigste Mangelerkrankung. Kommen zur Linderung des Mangels Eisenpräparate ins Spiel, ist jedoch Vorsicht geboten, denn das Risiko für Knochenbrüche kann je nach Präparat steigen.
Eisen ist ein lebenswichtiges und essentielles Spurenelement und erfüllt im menschlichen Körper viele wichtige Aufgaben wie etwa die Blutbildung oder den Sauerstofftransport. Die tägliche Eisenzufuhr sollte laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bei Jugendlichen und Erwachsenen zwischen 10 und 15 mg, bei Kindern zwischen 8 und 10 mg und bei Schwangeren sowie Stillenden bei 20 beziehungsweise 30 mg liegen. Doch nur etwa 10 bis 15 Prozent des Eisens können über die Nahrung aufgenommen werden. Die Folge ist häufig ein Eisenmangel.
Um diesen zu behandeln, kommen verschiedene Arzneimittel ins Spiel, die in unterschiedlichen Darreichungsformen und Zusammensetzungen zur Verfügung stehen. Das Problem: Nicht alle Präparate sind gut verträglich. Während unter einigen Arzneimitteln Nebenwirkungen wie gastrointestinale Beschwerden auftreten, können andere Eisenpräparate das Risiko für Knochenbrüche erhöhen.
Von einem Eisenmangel ist die Rede, wenn die Hämoglobinkonzentration – sprich der rote Blutfarbstoff – unter den alters-, beziehungsweise geschlechtsspezifischen Normwert absinkt. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt der Wert bei Frauen bei < 12 g/dl und bei Männern bei < 13 g/dl.
Eisenpräparate erhöhen Risiko für Knochenbrüche
Das ist das Ergebnis einer internationalen Untersuchung unter Leitung der Medizinischen Universität Innsbruck (Österreich). Die Forschenden haben die Wirkung von intravenös verabreichten Eisenpräparaten wie Eisenderisomaltose und Eisencarboxymaltose bei mehr als 20.000 Patient:innen genauer betrachtet. Dabei zeigte sich: Unter Infusionen mit Eisencarboxymaltose traten häufiger Frakturen auf. Der Grund, warum entsprechende Präparate das Risiko für Knochenbrüche steigen ließen: Sie sorgten bei einem Großteil der Patient:innen für ein Absinken des Phosphatspiegels im Blut. Die Folgen: Muskelschwäche und Knochenerkrankungen. Weil dies aufgrund der Symptome wie Müdigkeit oder Schwäche oftmals mit dem Eisenmangel selbst verwechselt wird, bleibt der niedrige Phosphatspiegel häufig lange unbemerkt. Hinzukommt, dass die Brüche meist erst Wochen oder Monate nach der Therapie auftreten.
Doch ein entsprechender Effekt konnte unter anderen Präparaten kaum beziehungsweise deutlich seltener beobachtet werden. Unter Eisencarboxymaltose war das Risiko für Knochenbrüche im Vergleich zu anderen Eisenpräparaten demnach mehr als doppelt so hoch. Die Gründe führen die Forschenden auf eine besonders starke Anreicherung von Eisencarboxymaltose im Knochen zurück, die zu einer verminderten Kollagenbildung führt. Hinzukommt eine starke Verminderung der Knochenneubildung. Die genauen biologischen Zusammenhänge müssen nun weiter untersucht werden, doch die Daten würden das erhöhte Risiko für Knochenbrüche unter bestimmten Eisenpräparaten bestätigen.
„Die Wahl des Eisenpräparats könnte damit nicht nur darüber entscheiden, wie rasch sich ein Eisenmangel behandeln lässt, sondern auch darüber, ob sich im Knochen eine Form biologischer Ermüdung entwickelt, die lange unbemerkt bleibt“, so das Fazit.
Das könnte dich auch interessieren
Mehr aus dieser Kategorie
Indikationscheck Schwangerschaftshochdruck: Das sind die Mittel der Wahl
Bis zu 15 Prozent der Schwangeren entwickeln eine Hypertonie. Da diese unbehandelt sowohl die Mutter als auch das Ungeborene gefährden …
Wirkstoff ABC: Azelastin/Fluticason vs. Mometason
Von A wie Amoxicillin, über B wie Budesonid bis Z wie Zopiclon: Die Liste der Wirkstoffe ist lang. Aber kennst …
Rhinitis und Migräne = (K)ein Zusammenhang?
Migräne kann für Betroffene zur regelrechten Zerreißprobe werden, denn die Lebensqualität ist bei einer Attacke mitunter stark eingeschränkt. Treffen kann …












