Darum macht Dauerstress dick
Nach einem besonders stressigen Tag in der Apotheke gemütlich auf dem Sofa sitzen und zum „Trost“ eine Tüte Chips aufmachen, einen Burger essen oder sich mit Schokolade verwöhnen – das gehört für viele dazu. Bleibt das jedoch keine einmalige Aktion, macht sich dies auf der Waage bemerkbar. Die Gründe, warum Dauerstress dick macht, zeigt eine neue Studie.
In den Apotheken gehört Stress praktisch immer dazu, das gilt in den letzten Monaten angesichts von Personalmangel, Lieferengpässen und Co. erst recht. Mehrarbeit ist dabei keine Seltenheit. Kein Wunder, dass sich viele Beschäftigte nach einem stressreichen Tag „belohnen“ möchten. Und hier kommen oftmals Fast Food, Süßigkeiten und Co. ins Spiel. In Ausnahmefällen kein Problem, im Gegenteil: „In Stresssituationen ist es leicht, viel Energie zu verbrauchen, und das Gefühl der Belohnung kann einen beruhigen – in diesem Fall ist ein Energieschub durch Nahrung sinnvoll“, betonen Forschende. Das Problem: Dauerstress kann dick machen, und zwar langfristig. Der Grund: „Stress kann die natürlichen Sättigungssignale außer Kraft setzen, sodass mehr Nahrung aufgenommen wird und das Verlangen nach Süßigkeiten steigt“, heißt es in einer australischen Studie.
Fehlendes Sättigungsgefühl: Dauerstress macht dick
Forschende des Garvan Instituts für medizinische Forschung in Sydney haben untersucht, wie sich chronischer Stress auf Essverhalten und Gewicht auswirkt. Konkret ging es um mögliche Veränderungen im Gehirn. Im Mausmodell wurde dafür beobachtet, wie sich die Folgen einer fett- und kalorienreichen Ernährung bei gestressten und nicht-gestressten Tieren unterschieden. Dabei zeigte sich, dass der Bereich im Gehirn, der für die Belohnungsreaktion und deren Abschaltung verantwortlich ist – die laterale Habenula, die sich im Epithalamus befindet –, bei chronischem Stress nicht wie gewohnt funktioniert.
Die Folge: Es wurden kontinuierlich Belohnungssignale ausgeschüttet, das Sättigungsgefühl setzte nicht ein und die andauernde ungesunde Ernährung wurde weiter gefördert. Und das wiederum führte zur langfristigen Gewichtszunahme. Diese war doppelt so hoch wie bei Tieren, die zwar ebenfalls ungesund ernährt wurden, aber nicht gestresst waren.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Stress eine natürliche Reaktion des Gehirns außer Kraft setzen kann, die die Freude am Essen dämpft – was bedeutet, dass das Gehirn ständig zum Essen belohnt wird“, betonen die Forschenden in einer Pressemitteilung und liefern auch einen möglichen Grund dafür: das Neuropeptid Y, das sowohl für die Steuerung von Stress- und Angstreaktionen als auch für das Hungergefühl verantwortlich ist und den Appetit und die Nahrungsaufnahme ankurbelt.
Dauerstress kann also langfristig dick machen. Um dem vorzubeugen, ist eine gesunde Ernährung vor allem in Zeiten von Stress besonders wichtig, so das Fazit der Forschenden.
Mehr aus dieser Kategorie
DoxyPEP nicht als „Allheilmittel“ nutzen
Schon seit Längerem wird über die Einnahme von Doxycyclin zur Vorbeugung von sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) diskutiert. Doch die sogenannte …
Jod: Schwangere sollen supplementieren
Für Jod wurden neue Referenzwerte von der Deutschen Gesellschaft (DGE) für Ernährung festgelegt – auch für Säuglinge. Für Babys jünger …
Champix: Vareniclin auch zur Cannabis-Entwöhnung?
Seit dem Inkrafttreten der Teil-Legalisierung von Cannabis ist die Zahl der Nutzer:innen gestiegen. Knapp fünf Millionen Erwachsene haben demnach in …








