Champix: Vareniclin auch zur Cannabis-Entwöhnung?
Seit dem Inkrafttreten der Teil-Legalisierung von Cannabis ist die Zahl der Nutzer:innen gestiegen. Knapp fünf Millionen Erwachsene haben demnach in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal Cannabis konsumiert. Doch damit erhöht sich auch die Zahl der Süchtigen. Zur Unterstützung der Cannabis-Entwöhnung kommt Vareniclin (Champix, Pfizer) ins Spiel.
Vareniclin findet seit Längerem im Rahmen der Rauchentwöhnung Anwendung und ist aufgrund seiner durch Studien belegten Wirksamkeit seit einigen Monaten sogar zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnungsfähig. Der Wirkstoff bindet mit hoher Affinität und Selektivität an die neuronalen α4β2-nikotinergen Acetylcholinrezeptoren und wirkt als partieller Agonist. Das bedeutet: Vareniclin besitzt agonistische und antagonistische Eigenschaften. Das Rauchverlangen und die Entzugssymptome werden gelindert (agonistische Wirkung) und gleichzeitig wird eine Reduktion des Belohnungs- und Verstärkungseffekts erreicht– Ursache ist die antagonistische Wirkung durch Blockade der Bindung von Nikotin an α4β2-Rezeptoren. Genau dies könnte auch bei der Cannabis-Entwöhnung von Bedeutung sein und Vareniclin als unterstützenden Wirkstoff ins Spiel bringen. Es gibt jedoch Einschränkungen.
Übrigens: Forschende haben kürzlich neue Tetrahydrocannabinol (THC)-Schwellenwerte für die Entwicklung einer Konsumstörung veröffentlicht. Diese liegen bei Jugendlichen bei rund Einnahmeeinheiten pro Woche, bei Erwachsenen bei rund acht Einheiten/Woche.
Vareniclin unterstützt Cannabis-Entwöhnung, aber …
Der Konsum von Cannabis zu Genusszwecken ist hierzulande seit dem Frühjahr 2024 legal. Mit der steigenden Zahl an Konsument:innen erhöht sich auch die Zahl derer, die eine Konsumstörung – genau eine Abhängigkeit nach THC – entwickeln. Arzneimittel zur Überwindung der Sucht gibt es bisher nicht. Doch Forschende haben nun den Effekt von Vareniclin zur Cannabis-Entwöhnung untersucht. Das Ergebnis: Der Wirkstoff kann Betroffene unterstützen – allerdings nur einige.
Ein Team der Medical University of South Carolina (USA) hat bei mehreren hundert Patient:innen die Wirkung von Vareniclin zur Cannabis-Entwöhnung mit Placebo vergleichen. Genau erhielten die Teilnehmenden, die im Schnitt an drei Tagen/Woche Cannabis in unterschiedlichen Ausmaßen konsumiert hatten, über einen Zeitraum von zwölf Wochen entweder täglich Vareniclin oder ein Placebo.
Dabei wurde deutlich: Der Wirkstoff besitzt einen positiven Effekt auf den Konsum. Genau ging die Zahl der „Cannabis-Sessions“ pro Woche zurück, und zwar deutlicher als unter Placebo. Mitunter kam es sogar zu einer Abstinenz, auch nach dem Absetzen. Der Grund: THC wirkt zwar generell auf andere Rezeptoren im Gehirn als Nikotin. Jedoch befinden sich diese ebenfalls im Belohnungszentrum des Gehirns, wo auch die nikotinischen Rezeptoren, die Vareniclin partiell stimuliert, zu finden sind. Somit kann der bei der Rauchentwöhnung erreichte verringerte Belohnungs- und Verstärkungseffekt auch bei Cannabis-Konsumstörungen eine Rolle spielen.
… nur bei Männern
Allerdings war die positive Wirkung auf männliche Teilnehmende beschränkt. Bei Frauen waren dagegen keine Unterschiede im Vergleich zu Placebo feststellbar. Bei ihnen waren zudem die Entzugssymptome stärker. Die genauen Gründe dafür sollen nun näher untersucht werden.
Bei Männern sei ein Einsatz von Vareniclin zur Cannabis-Entwöhnung jedoch bereits jetzt denkbar, da eine Alternative bisher nicht zur Verfügung steht.
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