Azelastin-Nasenspray schützt auch vor Erkältungen
Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Corona haben ganzjährig Saison und können folglich auch im Frühjahr und Sommer auftreten. Um ihnen vorzubeugen, bringen Forschende eine neue Option ins Spiel. Das Antihistaminikum Azelastin könnte sowohl vor Corona als auch vor Erkältungen schützen, zeigen Studiendaten.
Azelastin ist ein selektives Antihistaminikum vom Typ der H1-Blocker der zweiten Generation und kommt zur symptomatischen Behandlung der saisonalen allergischen Rhinitis (Heuschnupfen) bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab sechs Jahren zum Einsatz. Das rezeptfreie Antihistaminikum besitzt eine starke und langanhaltende antiallergische Wirkung und entfaltet selektiv H1-antagonistische Eigenschaften sowie eine antientzündliche Wirkung. Histamin kann nicht mehr an den Rezeptor binden.
Doch der Wirkstoff soll nicht nur als Antiallergikum fungieren. Vielmehr könnte Azelastin auch vor Erkältungen und Corona schützen. Demnach weist der Wirkstoff eine antivirale Aktivität gegen verschiedene respiratorische Viren – darunter das Respiratorische Synzytialvirus, Influenza A (H1N1), Sars-CoV-2 und Rhinoviren – auf, wie Forschende der Universität des Saarlandes beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin deutlich machten.
Azelastin-Nasenspray als Schutz vor Erkältungen
Am Universitätsklinikum des Saarlandes wurden 450 Personen untersucht, von denen jeweils rund die Hälfte mit 0,1-prozentigem Azelastin oder einem Placebo behandelt wurde. Dafür erhielten die Teilnehmenden über einen Zeitraum von 56 Tagen je dreimal täglich ein entsprechendes Nasenspray. Überprüft wurde einerseits, ob und wie oft es zu einer Infektion kam, andererseits wie häufig symptomatische Infektionen auftraten und wie lange es bis zur Infektion dauerte.
Dabei zeigte sich: Unter der Wirkstoff-Therapie wurden weniger Infektionen festgestellt. Dies galt zum einen für Ansteckungen mit Sars-CoV-2 als auch mit Rhinoviren, die typischerweise als Auslöser von Erkältungen fungieren. So traten letztere unter Azelastin nur bei 1,8 Prozent der Patient:innen auf, während es unter Placebo mehr als dreimal so viele waren (6,3 Prozent). Hinzukam, dass auch im Falle einer Infektion symptomatische Erkrankungen seltener und deutlich später – 31 vs. 19 Tage – auftraten. Dabei erwies sich die Behandlung als gut verträglich. Kam es zu Nebenwirkungen, fielen diese überwiegend mild aus und zeigten sich meist in Form von bitterem Geschmack und Nasenbluten.
„Azelastin-Nasenspray reduzierte in dieser Phase-2-Studie das Risiko für SARS-CoV-2-Infektionen und zeigte mögliche Wirksamkeit auch gegen andere respiratorische Viren“, fassen die Forschenden zusammen. Daher könnte Azelastin künftig bei der Prävention von Erkältungen und Co. eine Rolle als Präexpositionsprophylaxe spielen, insbesondere für Risikogruppen. Nun brauche es weitere klinische Studien zur genaueren Erforschung.
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