Antibiotika wirken bis zu acht Jahre auf Darmflora
Rund 426 Verordnungen über Antibiotika wurden zuletzt pro 1.000 Versicherte ausgestellt. Dabei kommen mehr als 50 verschiedene Wirkstoffe aus mehr als 15 Hauptklassen zum Einsatz, die auch mit unerwünschten Wirkungen verbunden sein können. Vor allem über den Einfluss auf die Darmflora wird immer wieder berichtet. Und dieser hält länger an als bisher angenommen. Wie Forschende herausgefunden haben, wirken Antibiotika bis zu acht Jahre auf die Darmflora.
Ein Forscherteam der Universität Uppsala (Schweden) hat untersucht, wie langfristig sich Antibiotika auf die Darmflora auswirken. Denn: „Es ist bekannt, dass Antibiotika kurzfristig erhebliche Auswirkungen auf das Darmmikrobiom haben, aber wie lange diese Veränderungen anhalten, war bisher unklar“, heißt es in einer Mitteilung. Daher haben die Forschenden die Daten von knapp 15.000 Patient:innen aus den letzten acht Jahren untersucht. Dabei wurde vor allem ein Blick auf die Zusammensetzung der Darmflora geworfen. Verglichen wurden Personen, die verschiedene Antibiotika erhalten hatten und Teilnehmende ohne entsprechende Behandlung.
Zur Erinnerung: Die Darmflora – auch Darmmikrobiom genannt – umfasst Milliarden von Mikroorganismen im menschlichen Darm, vor allem Bakterien, aber auch Viren und Pilze.
Fluorchinolone und Co. verändern Darmflora über Jahre
Das Ergebnis: Einige Antibiotika können noch vier bis acht Jahre nach der Behandlung Veränderungen im Darmmikrobiom hervorrufen. Dafür genügte mitunter schon eine einzige Therapie. Es zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede zwischen den jeweiligen Antibiotikaklassen. Während die häufig eingesetzten Wirkstoffe Penicillin V und Amoxicillin die Darmflora nur geringfügig und auch nur kurzfristig veränderten, wurden beispielsweise unter Clindamycin und Fluorchinolonen die größten und langfristigsten Veränderungen festgestellt. „Die Einnahme dieser Antibiotika vier bis acht Jahre zuvor war mit einer veränderten Häufigkeit von 10 bis 15 Prozent der untersuchten Arten assoziiert“, heißt es in der Studie. Somit zeigt sich, dass einige Antibiotika langfristige Auswirkungen auf die Darmflora haben können und unter anderem zu einer geringeren Diversität der Darmmikrobiom-Arten führen.
Die Ergebnisse sollten den Forschenden zufolge bei der Verschreibung entsprechender Präparate berücksichtigt werden, genau bei der Entscheidung zwischen zwei gleich wirksamen Antibiotika, von denen eines einen geringeren Einfluss auf das Darmmikrobiom hat. Dennoch brauche es noch weitere Daten über einen längeren Beobachtungszeitraum. Dafür sammeln die Forschenden aktuell Proben des Darmmikrobioms von rund der Hälfte der Studienteilnehmenden. „Dies wird uns ermöglichen, die Erholungszeit noch besser zu verstehen und zu identifizieren, welche Darmmikrobiome nach einer Antibiotikabehandlung anfälliger für Störungen sind.“
Mehr aus dieser Kategorie
Prednisolon wird rezeptfrei
Für drei von vier Wirkstoffen hat der Sachverständigenausschuss (SVA) für Verschreibungspflicht eine Empfehlung für einen OTC-Switch ausgesprochen, darunter Prednisolon. Am Dienstag …
Telmisartan-Tabletten mit unangenehmem Geruch
Der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) liegen Meldungen zu einem unangenehmen Geruch bei Telmisartan-haltigen Tabletten vor. In einigen Fällen wurde …
Joghurt gegen Darmkrebs?
Mehr als 16 Kilogramm Joghurt verzehrt jede/r Deutsche pro Jahr. Das fermentierte Milchprodukt soll jedoch nicht nur geschmacklich überzeugen, sondern …












