Barmer prüft Botendienst: Ziel verfehlt
Seit zwei Jahren wird der Botendienst vergütet. Das Honorar wurde mit 2,50 Euro verstetigt. Im Gesetz heißt es: „Apotheken können bei der Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel im Wege des Botendienstes je Lieferort und Tag einen zusätzlichen Zuschlag in Höhe von 2,50 Euro zuzüglich Umsatzsteuer erheben.“ Die Barmer hat die Kassenleistung Botendienst empirisch untersucht und das Analysepapier veröffentlicht. Achtung, Spoiler: Das Ziel des Botendienstes, nämlich die Kontaktvermeidung, wurde laut der Kasse verfehlt.
Grundlage der Analyse der Kasse sind die Apotheken-Abrechnungsdaten der Barmer. Diese zeigen, dass die Zahl der Botendienste und deren Anteil an den Arzneimittelabgaben in den vergangenen 24 Monaten „sehr stabil“ sind. Der Anteil der per Botendienst ausgelieferten Arzneimittel liegt bei knapp 7 Prozent. Damit wurde laut Barmer die Annahme des Verordnungsgebers, der von einem Anteil von 20 Prozent ausging, deutlich unterschritten. Seit Einführung des Botendiensthonorars sind der Barmer Kosten in Höhe von knapp 30 Millionen Euro entstanden. Alle Kassen haben in den ersten 24 Monaten laut Hochrechnungen rund 213 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer gezahlt.
Regionale Unterschiede beim Botendienst
Die meisten Botendienste wurden im Saarland und Rheinland-Pfalz erbracht. Unter den Top 5 sind außerdem Hessen und Thüringen zu finden. Betrachtet man die großen Flächenländer, haben Bayern und Brandenburg mit Abstand die niedrigsten Quoten. Und auch der zurückgelegte Weg (mittlere Entfernung) von der Apotheke zum Lieferort variiert. Die geringsten Entfernungen werden in Hamburg und Bremen zurückgelegt, während der Weg von der Apotheke zur Haustür in Berlin größer ist als in Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Baden-Württemberg.
In den ersten 24 Monaten haben 93 Prozent der Apotheken den Botendienst abgerechnet. Beliefert werden vor allem ältere Kund:innen. Wie die Recherchen der Barmer zeigen, steigt der Anteil der per Botendienst gelieferten Arzneimittel mit dem Lebensalter der Versicherten. „Allerdings wird der bundesweite Durchschnitt von 6,9 Prozent auch bei den hochbetagten Versicherten nur um zwei Prozentpunkte überschritten. Angesichts der vermutlich eingeschränkten Mobilität und des erhöhten Risikos einer Ansteckung dieses Personenkreises erscheint diese Quote als sehr gering“, so die Barmer.
Barmer: Botendienst-Ziel Kontaktvermeidung verfehlt
Das Fazit: „Die Lieferung von Arzneimitteln mittels Botendienst aus Apotheken bildet daher immer noch eine Ausnahme in der Versorgung, und das in jeder Altersgruppe der Versicherten.“ Daher stelle sich die Frage: Wurde der bei der Einführung des Botendiensthonorars im Mittelpunkt stehende Schutz besonders vulnerabler Patientengruppen vor vermeidbaren Kontakten erreicht? Denn: Patient:innen im Alter von 80 plus werden lediglich zu 9 Prozent via Botendienst versorgt. Was könnte der Grund dafür sein? Die Barmer liefert eine mögliche Erklärung für die unerwartet geringe Quote. Die Arzneimittel könnten von Angehörigen oder durch den Pflegedienst aus der Apotheke geholt worden sein. Dies könne jedoch empirisch nicht überprüft werden. „Es muss daher insgesamt eine Zielverfehlung attestiert werden, da der Gesetzgeber bislang keine über die Kontaktvermeidung hinausgehenden Ziele des Botendienstes benannt hat.“
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