Chlorpropanole: Schadstoffe in Papptrinkhalmen
Plastiktrinkhalme sind in der EU verboten. Alternativen kommen aus Glas, Edelstahl und Pappe. Doch letztere können Schadstoffe enthalten und beispielsweise den Geschmack der Getränke verändern.
„Die Wahrscheinlichkeit, dass Papptrinkhalme Schadstoffe enthalten, ist groß“, heißt es von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dies zeigen mehrere Untersuchungen. Zudem können die enthaltenen Schadstoffe den Getränkegeschmack verändern.
Chlorpropanole in Papptrinkhalmen
Das Chemische Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA Stuttgart) und das Kantonale Untersuchungslabor St. Gallen haben mehrere Papptrinkhalme (13 oder 15) aus Supermärkten und Gastronomiehandel auf Schadstoffe untersucht.
Das Ergebnis: Die Hälfte der Schweizer Trinkhalme veränderte den Geschmack des Getränks. Acht Produkte gaben Chlorpropanole in einer Konzentration über dem Richtwert des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) an das Getränk ab. Auch sechs der 13 vom CVUA Stuttgart untersuchten Papptrinkhalme enthielten Chlorpropanole oberhalb des BfR-Richtwerts. „Die Trinkhalme mit den höchsten Übergängen wurden in Asien hergestellt“, so die Verbraucherzentrale.
Wie kommen Chlorpropanole in die Pappe?
Die Chemikalie kann in Papptrinkhalmen enthalten sein, wenn zur Nassverfestigung Epichlorhydrin basierte Harze verwendet wurden. Nassverfestigungsmittel werden eingesetzt, um ein Ablösen von Papierfasern beim Kontakt mit feuchten Lebensmitteln zu verhindern. Stark nassfest ausgerüstete Papiere im Lebensmittelkontakt sind laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) beispielsweise Küchenrollen, Muffinförmchen und Trinkhalme. Außerdem Produkte wie Teller, Schalen und Becher ohne Beschichtung, in denen Zuckerrohr als Rohstoff hervorgehoben ist. Dabei entstehen durch Hydrolyse von Epichlorhydrin die Chlorpropanole 3-Chlor-1,2-propandiol (3-MCPD) und 1,3-Dichlor-2-propanol (1,3-DCP).
Chlorpropanole können laut Verbraucherzentrale krebserregend wirken. Insgesamt wurden mehr als 80 Prozent der in der Schweiz untersuchten Papptrinkhalme wegen Geschmacksbeeinträchtigung und/oder Freisetzung von Chlorpropanolen oder Druckfarbenbestandteilen beanstandet.
Weitere Untersuchungen
Eine belgische Studie untersuchte vor knapp drei Jahren 39 Trinkhalme aus Pappe, Bambus, Glas, Edelstahl und Plastik auf Perfluoralkylsubstanzen (PFAS). PFAS waren in Trinkhalmen aller Materialien nachweisbar – vor allem in Trinkhalmen aus pflanzenbasierten Materialien.
Eine spanische Untersuchung hatte den Chemikalienübergang von bedruckten Papp-Strohhalmen in Sprudelwasser im Blick. Dabei wurden Photoinitiatoren, ein Farbstoff, ein krebserzeugendes aromatisches Amin und hormonsystemschädigende Phthalatweichmacher nachgewiesen.
Keine Regelungen und Grenzwerte
„Für Lebensmittelkontaktmaterialien aus Papier und Pappe gibt es auf EU-Ebene anders als für Lebensmittelkontaktmaterialien aus Kunststoff keine spezielle gesetzliche Regelung, d.h. es fehlen hier materialspezifische Regelungen und Grenzwerte“, informiert die Verbraucherzentrale. Lebensmittelkontaktmaterialien aus Papier und Pappe fielen laut den Expert:innen bei chemischen Untersuchungen immer wieder durch Belastung mit Schadstoffen wie Chlorpropanolen, Mineralölen, Druckfarbenbestandteilen oder PFAS auf.
Das Fazit: Plastikverpackungen können nicht einfach durch Papier und Pappe ersetzt werden. Zudem sind Trinkhalme in den meisten Fällen schlicht überflüssig. Wer aber gerne aus dem Halm trinkt, sollte zu spülbaren Trinkhalmen aus Glas oder Edelstahl greifen.
Mehr aus dieser Kategorie
PTA-Vertretung: Vorgaben und No-Gos
Die PTA-Vertretung ist in § 29 Apothekengesetz geregelt. Die Möglichkeit ist vorerst bis Ende 2031 befristet und dient der praktischen …
Mounjaro und Wegovy: Unterschiede bei Transport und Lagerung
Semaglutid und Tirzepatid sind die Wirkstoffe in den Abnehmspritzen Mounjaro und Wegovy. Beide Varianten müssen kühl gelagert werden – zumindest …
Ab 75: Neue Empfehlung für Corona-Impfung
Für Spätsommer/Frühherbst empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die jährliche Covid-Auffrischimpfung. Es gibt jedoch eine Änderung. Die Impfung wird nicht mehr …









