Digoxin für Kinder: Suche nach Alternativen läuft
Weil kein Digoxin-haltiges Arzneimittel in pädiatrischer Dosierung mehr eine Zulassung hält, ist die Versorgung nicht bedarfsgerecht. Nun werden alternative Bezugsquellen geprüft.
Vor knapp drei Jahren wurde die Einstellung der Vermarktung von Lenoxin Liquidum (Digoxin) bekanntgegeben. Bis Ende vergangenen Jahres sicherte britische Ware die Versorgung in pädiatrischer Dosierung. Doch mit dem Erlöschen der Zulassung steht kein Fertigarzneimittel mehr zur Verfügung.
Lenoxin Liquidum wurde bei folgenden Indikationen eingesetzt:
- manifeste chronische Herzmuskelschwäche (aufgrund systolischer Funktionsstörung)
- schnelle Form einer Herzrhythmusstörung bei Vorhofflimmern/Vorhofflattern (Tachyarrhythmia absoluta).
Bei Kindern wird Digoxin nach Körpergewicht dosiert. Die angestrebten Plasmaspiegel liegen zwischen 1,5 und 2,5 ng/ml Digoxin.
Dem Beirat für Liefer- und Versorgungsengpässe wurde vor Kurzem die aktuelle Versorgungssituation von Digoxin in pädiatrischer Darreichungsform vorgestellt. Weil derzeit kein regulär zugelassenes Arzneimittel mehr zur Verfügung steht, kann aktuell nicht bedarfsgerecht versorgt werden. „Zum hiesigen Zeitpunkt werden alternative Bezugsquellen im europäischen Ausland sowie alternative Abmilderungsmaßnahmen zur Unterstützung der Patientenversorgung geprüft“, heißt es dazu im Kurzprotokoll.
Digoxin zählt zu den Digitalisglykosiden. Das mittellangwirkende Glykosid entsteht aus β-Acetyldigoxin und besitzt kardiale Effekte:
- positiv inotrop: gesteigerte Kontraktionskraft und -geschwindigkeit bei verzögerter Relaxationszeit
- negativ chronotrop: Abnahme der Schlagfrequenz
- negativ dromotrop: Verzögerung der Erregungsleitung
- positiv bathmotrop: gesteigerte Erregbarkeit
Digitoxin hemmt spezifisch die Adenosintriphosphatase und somit den aktiven Transport von Natrium- und Kaliumionen. Die extra- und intrazellulären Natriumkonzentrationen nähern sich einander an, wodurch der Natrium-Calcium-Austauscher keinen antreibenden Konzentrationsgradienten mehr besitzt. Es bleibt mehr Calcium in der Zelle und es strömt mehr Calcium in die Zelle, das für die Herzmuskelkontraktion benötigt wird. Ist der Austausch von Natrium und Kalium gehemmt, nimmt auch die Impulsüberleitungsrate in Vorhof und AV-Knoten ab (negativ dromotrop).
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