Sommer als Gefahrenquelle: Keine Fentanyl-Pflaster bei Hitze?
In wenigen Tagen beginnt der Sommer offiziell und damit klettern oftmals auch die Temperaturen immer weiter nach oben. Doch Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke bergen zahlreiche Gefahren. Das gilt unter anderem für die Anwendung von Arzneimitteln. Bei Fentanyl-Pflastern kann Hitze sogar tödlich enden.
Rund elf Hitzetage gab es im vergangenen Sommer hierzulande, die höchste gemessene Temperatur betrug mehr als 39 Grad. Dass dies für den Körper zu Belastungen führt und vor allem für vulnerable Gruppen gefährlich sein kann, ist bekannt. Doch neben einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr, dem Vermeiden von Anstrengung und Co. gilt auch in puncto Arzneimittel Vorsicht. Allem voran kann Hitze bei Fentanyl-Pflastern zur Gefahr werden. Denn es droht eine Wirkverstärkung, die mitunter tödlich enden kann.
Fentanyl-Pflaster werden zur Behandlung von chronischen Schmerzen angewendet. Der Wirkstoff bindet an Opioid-Rezeptoren, wodurch die Weiterleitung von Schmerzimpulsen an die Nervenzellen oder deren Synapsen gehemmt wird. Opiode besitzen unter anderem schmerzlindernde, dämpfende, beruhigende und psychotrope Eigenschaften. Fentanyl wird über das Cytochrom (CYP) 3A4 verstoffwechselt. Die Darreichungsform als Pflaster ermöglicht eine kontrollierte, langanhaltende Wirkstofffreisetzung über mehrere Tage.
Fentanyl-Pflaster: Bei Hitze droht Überdosierung
So wird in den Gebrauchsinformationen von Fentanyl-Pflastern unter anderem davor gewarnt, die Pflaster Wärmequellen auszusetzen. Dazu gehören beispielsweise Wärmflaschen, Heizkissen und -decken sowie Wärmestrahler. Und auch auf heiße Bäder sollte mit aufgeklebten Pflastern verzichtet werden, ebenso wie auf Saunabesuche. Letztere können sogar zum Tod führen, wie anhand von verschiedenen Fallberichten deutlich wurde. Doch damit nicht genug: Denn auch Sonnenbäder sind laut Packungsbeilagen tabu. Wer sich nicht an die Empfehlung hält, riskiert Überdosierungen, weil sich die aus dem Pflaster freigesetzte Menge an Arzneimittel erhöhen kann, heißt es weiter.
Der Grund: Die Wärme sorgt dafür, dass die Hauttemperatur steigt, wodurch die transdermale Wirkstofffreisetzung angekurbelt wird. Das kann wiederum zu einer Wirkverstärkung führen, die sich in Symptomen wie starker Schläfrigkeit, Schwindel, Verwirrtheit, Verkleinerung der Pupillen, Atemdepression, Atemnot und Hypotonie bemerkbar macht. Auch sommerliche Hitze gilt somit als Risikofaktor für die Anwendung von Fentanyl-Pflastern. Denn die hohen Umgebungstemperaturen lassen die Körpertemperatur steigen, wodurch eine Überdosierung durch die Pflaster droht. Gleiches gilt, wenn Patient:innen unter Fieber leiden. Unter Umständen kann somit eine Dosisanpassung notwendig sein.
Wie ein Forscherteam aus den USA in Laboruntersuchungen herausgefunden hat, verdoppelte sich die über die Haut absorbierte Wirkstoffmenge bei einem Temperaturanstieg von 32 auf 42 Grad Celsius.
Bei Verdacht auf Überdosierung sollte das Pflaster sofort entfernt und der Notruf gewählt werden. Unter Umständen kann die Verabreichung von Naloxon angezeigt sein, gegebenenfalls auch mehrmals. Dabei gilt jedoch auch Vorsicht im Hinblick auf die schnelle Aufhebung der Opioidwirkung, die zu plötzlich einsetzenden Schmerzen führen kann.
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