Jodvergiftung: Lugolsche Lösung nicht einnehmen
Lugolsche Lösung ist zwar nicht für die Einnahme bestimmt, wird aber dennoch in den sozialen Medien als Nahrungsergänzungsmittel angepriesen. Ein gefährlicher Trend, denn eine orale Anwendung von Lugolscher Lösung kann zu einer Jodvergiftung führen, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mitteilt.
Die Jod-Kalium-Lösung kam zur Desinfektion von äußeren Wunden zum Einsatz und wird als Laborchemikalie zum Nachweis von Stärke verwendet. Ein Tropfen der 5-prozentigen Lugolschen Lösung hat einen Jodgehalt von mehr als 6.000 Mikrogramm. Somit kann schon die Einnahme einer sehr geringen Menge zu einer erheblichen Überschreitung der für Erwachsene empfohlenen täglichen Jodzufuhr von 150 µg führen. Die Folgen können eine Jodvergiftung und damit verbundene schwere unerwünschte Effekte auf die Schilddrüsenfunktion sein.
Wird Jod in hohen Dosen zugeführt, ist bei schilddrüsengesunden Personen eine Blockade der Schilddrüsenhormonbildung möglich. Allerdings wird diese nach einigen Tagen wieder aufgehoben. Anders verhält es sich bei schilddrüsenkranken Personen wie beispielsweise mit einer Hashimoto-Thyreoiditis oder beim ungeborenen Kind. Die Blockade kann bestehen bleiben und eine Schilddrüsenunterfunktion die Folge sein.
„Eine derart exzessive Jodzufuhr kann die Funktion der Schilddrüse massiv beeinträchtigen“, heißt es vom BfR. Zwar handelt es sich bei Jod um ein lebenswichtiges Spurenelement und die Versorgung ist hierzulande verbesserungsfähig, aber: „Auf keinen Fall sollte zur Verbesserung der Jodversorgung Lugolsche Lösung genutzt werden.“
Etwa ein Drittel der Erwachsenen und 45 Prozent der Kinder haben hierzulande ein erhöhtes Risiko für einen Jodmangel. Doch wer regelmäßig jodliefernde Lebensmittel wie Fisch und Milch(-produkte) verzehrt und Jodsalz verwendet, ist in der Regel ausreichend versorgt.
Laut BfR-Empfehlung sollten Nahrungsergänzungsmittel, die für Personen ab 15 Jahren und Erwachsene in Verkehr gebracht werden, maximal 100 µg Jod pro Tagesdosis enthalten sollten. In Produkten für Schwangere sollten nicht mehr als 150 µg Jod pro Tagesdosis enthalten sein. „Mit dieser Menge können bei Bedarf eine ausreichende Jodzufuhr sichergestellt und potenzielle unerwünschte Wirkungen durch eine zu hohe Jodzufuhr vermieden werden.“
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