Statt Maske: Atomoxetin-Tablette gegen Schlafapnoe
Leiden Patient:innen unter Schlafapnoe, ist nicht nur die Schlaf- sondern auch die allgemeine Lebensqualität beeinträchtigt. Während die Standardbehandlung mithilfe von Atemmasken erfolgt, ist die Therapietreue eingeschränkt. Nun bringen Forschende eine neue Atomoxetin-Tablette gegen Schlafapnoe ins Spiel.
Schätzungsweise mehr als zwei Millionen Menschen leiden hierzulande an Schlafapnoe. Rauchen, Alkoholkonsum, genetische Faktoren, aber auch eine Adipositas-Erkrankung können das Risiko erhöhen. Gekennzeichnet ist Schlafapnoe durch eine gestörte Atmung während des Schlafens. Konkret kommt es zu kurzen Atemstillständen im Schlaf. Grund dafür sind verengte Atemwege, die die Atmung massiv beeinträchtigen. Die Folgen sind Tagesmüdigkeit sowie ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Schlaganfall und kognitive Störungen.
Behandelt wird in der Regel mit dem Tragen einer Atemmaske, die durch Überdruck Atemaussetzer in der Nacht verhindern soll. Daneben wurde zuletzt auch dem Wirkstoff Tirzepatid ein positiver Effekt bei Schlafapnoe zugesprochen. Nun bringen Forschende eine weitere Alternative ins Spiel, die die Therapietreue von Patient:innen erhöhen soll: eine Atomoxetin-Tablette gegen Schlafapnoe. In den USA wurde bereits die Zulassung beantragt.
Übrigens: Unterschieden wird zwischen obstruktiver Schlafapnoe – einer zu starken Entspannung der Muskeln im Rachenraum mit einer Blockade der Atemwege – und zentraler Schlafapnoe – einer Fehlleitung von Signalen im Gehirn, die die Atmung steuern.
Fixkombi mit Atomoxetin: Neue Tablette gegen Schlafapnoe
Ein Team der Universität Pittsburgh (USA) hat ein neues Arzneimittel mit dem vorläufigen Namen AD109 entwickelt, das die Fixkombination der Wirkstoffe Aroxybutynin (2,5 mg) und Atomoxetin (75 mg) enthält. Die Tablette gegen Schlafapnoe soll täglich vor dem Schlafengehen eingenommen werden und nächtliche Atemaussetzer senken sowie die Sauerstoffversorgung verbessern.
Atomoxetin ist ein selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, der den präsynaptischen Noradrenalin-Transporter (NET) hemmt. Der Wirkstoff kommt zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern ab sechs Jahren zum Einsatz, wobei der genaue Wirkmechanismus in dieser Indikation noch nicht abschließend geklärt ist.
Überprüft wurde in einer randomisierten Phase-III-Studie die Wirkung von AD109 an knapp 650 erwachsenen Patient:innen aus den USA und Kanada, die an leichter bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe litten und das Tragen einer Atemmaske ablehnten. Sie wurden über ein halbes Jahr entweder mit dem neuen Arzneimittel oder einem Placebo behandelt. Dabei wurde die Anzahl der Atemaussetzer und Atemflussminderungen pro Stunde Schlaf gemessen und verglichen.
Das Ergebnis
Atemaussetzer gingen unter dem Wirkstoff deutlich zurück, und zwar bei vier von zehn Patient:innen sogar um die Hälfte. Bei einem Viertel der Teilnehmenden in der Wirkstoff-Gruppe sank die Zahl sogar auf weniger als fünf pro Stunde in einen unauffälligen Bereich. Daneben verbesserte sich auch die Sauerstoffversorgung im Schlaf deutlich.
Grund für den positiven Effekt der Tablette gegen Schlafapnoe ist den Forschenden zufolge eine Erhöhung des Muskeltonus in den oberen Atemwegen während des Schlafs, wodurch das Erschlaffen von Rachen und Zunge zurückgeht.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen unter dem Arzneimittel gehörten Mundtrockenheit, Übelkeit, Schlaflosigkeit und erschwertes Wasserlassen. Zwar fielen die Beschwerden meist nicht schwer aus, sorgten jedoch bei rund 21 Prozent der Patient:innen für einen Abbruch der Behandlung.
Dennoch hat Hersteller Apnimed bereits die Zulassung für AD109 in den USA beantragt, sodass das Arzneimittel künftig eine weitere Behandlungsoption bei Schlafapnoe darstellen könnte.
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