Betablocker: Nach Herzinfarkt überflüssig?
Sowohl bei Patient:innen mit Hypertonie als auch zur Reinfarktprophylaxe gehören Betablocker zu den Mitteln der Wahl. Doch nun zeigen neue Daten, dass der Einsatz von Betablockern nach einem Herzinfarkt oft überflüssig ist.
Betablocker blockieren die Beta-1- und Beta-2-Rezeptoren, indem sie antagonistisch an die Rezeptoren binden und somit die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin hemmen. Außerdem können sie die Freisetzung von Insulin sowie den Abbau von Glykogen einschränken, was Einfluss auf den Blutzuckerspiegel hat. Die Wirkstoffe kommen zur Blutdrucksenkung ins Spiel, finden jedoch auch zur Prophylaxe weiterer kardiovaskulärer Ereignisse nach einem Herzinfarkt – Reinfarktprophylaxe – Anwendung. Doch während Forschende zuletzt zu dem Ergebnis kamen, dass es Absetzen entsprechender Arzneimittel zu Rückfällen führen kann, zeigen neue Daten: Betablocker sind nach einem Herzinfarkt oftmals überflüssig.
Betablocker: Kein präventiver Effekt nach Herzinfarkt
Demnach kam ein Team der Medizinischen Fakultät der Sungkyunkwan-Universität in Seoul (Südkorea) nun zu dem Ergebnis, dass Betablocker nach einem Herzinfarkt oftmals keine Wirkung im Hinblick auf die Reduktion von Reinfarkten, Herzinsuffizienz und Sterblichkeit hatten – zumindest bei vielen Patient:innen.
Für die Untersuchung wurden rund 2.540 Patient:innen berücksichtigt, die nach einem Herzinfarkt bereits mindestens ein Jahr lang – im Mittel sogar 4,7 Jahre – mit Betablockern wie Carvedilol, Bisoprolol oder Nebivolol behandelt wurden, um einen Rückfall zu verhindern. Bei jeweils knapp der Hälfte der Teilnehmenden wurde die Therapie abgesetzt oder unverändert fortgesetzt und die Personen im Median drei Jahre nachbeobachtet.
Die Ergebnisse wurden beim American College of Cardiology 2026 vorgestellt. Sie zeigen, dass ein Absetzen von Betablockern bei Postinfarktpatienten ohne Herzinsuffizienz und mit normaler Pumpfunktion des Herzens im Vergleich zu einer fortgesetzten Therapie ohne negative Auswirkungen auf klinische Ereignisse blieb. Zwischen der Therapie- und der Absetz-Gruppe ließen sich demnach kaum Unterschiede im Hinblick auf das Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen feststellen. Somit trat der erhoffte präventive Effekt bei entsprechenden Personen offenbar nicht ein, sodass eine routinemäßige lebenslange Betablocker-Behandlung wohl oftmals nicht notwendig sei.
Die Forschenden appellieren jedoch, entsprechende Arzneimittel nicht auf eigene Faust abzusetzen und im Falle eines Therapie-Stopps sowohl den Blutdruck als auch die Herzfrequenz intensiv im Blick zu behalten. Vor allem bei Personen, die unter einer Betablocker-Langzeittherapie Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindelgefühl, Bradykardie oder Hypotonie aufweisen, könnte ein Absetzen jedoch eine Option darstellen.
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