Blasenentzündung: Nitrofurantoin effektiver als Fosfomycin
Leiden Patient:innen an einer Blasenentzündung, gehört vor allem pflanzliche Hilfe zu den Mitteln der Wahl. Wird doch eine Antibiose benötigt, stellt sich die Frage, welcher Wirkstoff am besten geeignet ist. Forschende zeigen nun: Nitrofurantoin ist bei Blasenentzündung effektiver als Fosfomycin.
Eine von zwei Frauen erleidet mindestens einmal im Jahr eine Blasenentzündung. Bei knapp jeder Dritten stellt sich eine chronische Cystitis mit mindestens drei Infektionen pro Jahr ein. Auslöser sind oftmals Bakterien wie Escherichia coli. Zwar können auch Männer betroffen sein, allerdings viermal seltener als Frauen. Zu den häufigsten Beschwerden gehören Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, Krämpfe und trüber Urin.
Während zur Behandlung unkomplizierter, bakterieller Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen laut Leitlinie vor allem Phytopharmaka empfohlen werden, kann mitunter auch eine Antibiose angezeigt sein. In diesem Fall zeigen sich unter Nitrofurantoin bessere Heilungschancen als unter anderen Wirkstoffen wie beispielsweise Fosfomycin, wie aktuelle Daten zeigen.
Fosfomycin vs. Nitrofurantoin
Zur Erinnerung: Fosfomycin ist ein Epoxid-Antibiotikum wirkt als Breitbandantibiotikum. Der Wirkstoff besitzt bakterizide Eigenschaften und hemmt die erste Stufe der intrazellulären bakteriellen Zellwandsynthese – genau die Mureinbiosynthese – durch Blockade der Peptidoglykansynthese. Das Antibiotikum ist zur Behandlung der akuten, unkomplizierten Zystitis bei Frauen und weiblichen Jugendlichen zugelassen.
Auch Nitrofurantoin kommt bei Blasenentzündungen zum Einsatz und wirkt bakterizid. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht geklärt, angenommen wird jedoch ein Eingriff in mehrere Stoffwechselschritte der Bakterien, unter anderem eine Hemmung der Proteinbiosynthese. Der Wirkstoff soll jedoch im Vergleich zu anderen Antibiotika wie Fosfomycin und Pivmecillinam bessere Heilungschancen bieten, so Forschende aus Spanien.
Blasenentzündung: Nitrofurantoin am wirksamsten
In einer randomisierten, doppelblinden, klinischen Phase-IV-Studie wurden zwischen 2022 und 2024 verschiedene Behandlungsmethoden von mehr als 700 weiblichen Patientinnen mit Cystitis verglichen. So wurden Wirksamkeit und Sicherheit unterschiedlicher Dosierungen von Fosfomycin mit Nitrofurantoin und Pivmecillinam gegenübergestellt. Jeweils ein Teil der Patientinnen erhielt
- einmal täglich 3 g Fosfomycin,
- zweimal täglich 3 g Fosfomycin,
- dreimal täglich 100 mg Nitrofurantoin (über fünf Tage) oder
- dreimal täglich 400 mg Pivmecillinam (über drei Tage).
Dabei haben die Forschenden überprüft, ob und wenn ja wie häufig unter der jeweiligen Therapie die Symptome innerhalb von sieben Tagen verschwanden und somit von einer Heilung gesprochen werden kann.
Das Ergebnis: Unter einer Einzeldosis Fosfomycin war der Anteil klinischer Heilungen mit 59 Prozent am geringsten, unter Nitrofurantoin dagegen um 15 Prozent höher (74 Prozent). Die Wirksamkeit von Pivmecillinam (70 Prozent) und zwei Dosen Fosfomycin (67 Prozent) lag dazwischen.
In Bezug auf unerwünschte Wirkungen ließen sich dagegen kaum Unterschiede erkennen – 20 vs. 21 Prozent unter Fosfomycin und Nitrofurantoin.
Für die Autor:innen ist somit klar: „Die Rolle von Fosfomycin als Erstlinienantibiotikum bei unkomplizierten Harnwegsinfekten sollte neu bewertet werden.“ Stattdessen könnte Nitrofurantoin Mittel der Wahl bei Blasenentzündungen sein.
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