Glaukom: Parkinson-Risiko durch Betablocker?
Betablocker gehören zu den am häufigsten eingesetzten Arzneimitteln und kommen vor allem bei Hypertonie zum Einsatz. Daneben sind die Wirkstoffe auch bei Glaukom-Patient:innen eine Option, in der Regel topisch angewendet. Doch können Betablocker in diesem Fall das Parkinson-Risiko erhöhen?
Betablocker blockieren die Beta-1- und Beta-2-Rezeptoren, indem sie antagonistisch an die Rezeptoren binden und somit die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin hemmen. Außerdem können sie die Freisetzung von Insulin sowie den Abbau von Glykogen einschränken, was Einfluss auf den Blutzuckerspiegel hat. Meist kommen sie zur Blutdrucksenkung sowie in der Indikation Herzgesundheit zum Einsatz, beispielsweise zur Behandlung nach einem Herzinfarkt als Prophylaxe vor weiteren kardiovaskulären Ereignissen wie Herzrhythmusstörungen. In topischen Darreichungsformen finden die Wirkstoffe jedoch auch in der Therapie von Glaukomen zur Senkung des Augeninnendrucks Anwendung.
Mögliche häufige Nebenwirkungen sind Bradykardie, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Arrythmien, Durchblutungsstörungen der Extremitäten, Potenzstörungen, gastrointestinale Beschwerden und niedriger Blutdruck, aber auch Hyperglykämien. Ein Zusammenhang mit einem erhöhten Parkinson-Risiko besteht jedoch nicht, geben Forschende nun Entwarnung.
Erhöhen Betablocker das Parkinson-Risiko?
Ein Team der Universität Tel Aviv hat untersucht, ob die verbreitete Befürchtung, dass bei Glaukomen topisch angewendete Betablocker das Parkinson-Risiko erhöhen können, berechtigt ist. Anlass dafür waren frühere Studienergebnisse, die auf eine vermeintlich gesteigerte Gefahr hingewiesen hatten. Daher wurde der Einsatz von Timolol bei Glaukom-Patient:innen genauer analysiert, und zwar anhand von Daten von mehr als 13.000 Personen aus den Jahren 2000 bis 2020. Etwa 10.000 Teilnehmende wurden mit dem Betablocker behandelt, der Rest nicht.
Das Ergebnis: Patient:innen müssen kein erhöhtes Risiko fürchten. Bis Ende 2021 wurde demnach bei 175 Patient:innen Parkinson diagnostiziert. Doch auch wenn der Anteil in der Betablocker-Gruppe höher war, ließen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede feststellen. Mit zunehmender Anwendungsdauer erhöhten sich jedoch auch die Fallzahlen.
Als Einschränkung der Studie nennen die Autor:innen jedoch, dass das retrospektive Design der Untersuchung unterschiedliche Nachbeobachtungszeiträume – zehn Jahre unter Betablockern, acht Jahre ohne – beinhaltete, was Einfluss auf die Ergebnisse gehabt haben könnte. Insgesamt sehen die Forschenden demnach bei einer lokalen Glaukom-Therapie mit Betablockern kein erhöhtes Parkinson-Risiko. „Die Ergebnisse legen nahe, dass topische Betablocker eine sichere Therapieoption für Glaukompatienten darstellen, einschließlich derer, die womöglich ein erhöhtes Risiko tragen, an Morbus Parkinson zu erkranken“, heißt es abschließend.
Achtung: Betablocker sollten nicht auf eigene Faust als „Nervenkiller“ oder „Mutmacher“ angewendet werden.
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