Neue Therapieoption? Hormonpflaster für den Mann
Über das Für und Wider einer Hormontherapie wird immer wieder diskutiert. Diese kommt in der Regel bei Frauen in den Wechseljahren zum Einsatz, ist jedoch mit Nebenwirkungen verbunden. Nun bringen Forschende Hormonpflaster auch für Männer ins Spiel, und zwar zur Behandlung von Prostatakrebs.
Hormonersatzpräparate, beispielsweise Monopräparate in Form einer Östrogentherapie oder Kombinationspräparate aus Östrogen und Gestagen als Creme, Tablette, Pflaster oder Injektionen, kommen vor allem bei Frauen in den Wechseljahren zum Einsatz, um das Hormonungleichgewicht im Körper abzufedern. Denn etwa ab dem 45. Lebensjahr nimmt die Produktion von Östrogen und Progesteron in den Eierstöcken ab, was oftmals mit Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und weiteren unerwünschten Wirkungen verbunden ist. Doch Estradiol-haltige Hormonpflaster können auch bei Männern einen positiven Effekt haben. Genau zeigen diese bei Patienten mit Prostatakrebs dieselbe Wirksamkeit wie Spritzen, wie Forschende herausgefunden haben.
Hormonpflaster bei Männern
Knapp 80.000 Patienten jährlich erkranken hierzulande an Prostatakrebs, der häufigsten Krebserkrankung bei Männern. Zur Behandlung kommt unter anderem eine Hormontherapie ins Spiel, genau die Androgenentzugstherapie (ADT). Dabei soll der Testosteronspiegel von Betroffenen gesenkt werden, denn das Sexualhormon fördert das Tumorwachstum. Bisher erfolgt die Behandlung mit verschiedenen Wirkstoffen wie Abirateron und Co. Nun bringen Forschende eine Alternative ins Spiel, und zwar in Form von Estradiol-haltigen Hormonpflastern, die bei Prostatakrebs wirksam sind.
Ein Team des University College London hat mehr als 1.300 Männer mit lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs untersucht und analysiert, wie wirksam unterschiedliche Behandlungsoptionen bei ihnen sind. Während ein Teil der Patienten Spritzen mit dem LHRH-Agonisten Gonadoliberin erhielt, wurde der andere mit Estradiol-haltigen Pflastern (100 μg Estradiol alle 24 Stunden) behandelt. Dabei wurde überprüft, wie viele Betroffene innerhalb von drei Jahren ohne Metastasen überlebten. Das Ergebnis: Es zeigt sich kaum ein Unterschied zwischen den beiden Methoden. Während in der Pflaster-Gruppe 87 Prozent das Ziel erreichten, waren es unter den Spritzen 86 Prozent.
Abweichungen gab es jedoch in Bezug auf die mit der Therapie verbundenen unerwünschten Nebenwirkungen. Denn diese fielen unter den Pflastern oftmals geringer aus. So klagten beispielsweise im Vergleich zu den Spritzen nur etwa halb so viele Patienten über Hitzewallungen (89 vs. 44 Prozent). Gleiches galt für das Auftreten von Knochenbrüchen (5,8 vs. 2,8 Prozent). Demgegenüber sorgten die Hormonpflaster bei Männern mit Prostatakrebs bei 85 Prozent für eine Vergrößerung des Brustgewebes (42 Prozent unter Spritzen).
Dennoch sehen die Forschenden die Pflaster als zusätzliche Behandlungsoption, um betroffenen Männern die Therapie zu ermöglichen, die am besten zu ihnen passt. Denn sie sind einfacher in der Anwendung und bei gleicher Wirksamkeit mit weniger Nebenwirkungen verbunden.
Achtung: Eine Hormontherapie kann das Tumorwachstum zwar bremsen, eine dauerhafte Heilung ist allein mit dieser Behandlung aber nicht möglich, stellt der Krebsinformationsdienst klar.
Ob eine HRT das Demenzrisiko erhöhen kann, erfährst du hier.
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