Metformin und NSAR: Achtung, Lebensgefahr
Metformin spielt in der Diabetes-Behandlung eine entscheidende Rolle zur Blutzuckersenkung. Doch nicht nur in Kombination mit bestimmten Lebens- beziehungsweise Genussmitteln – Stichwort Alkohol – ist Vorsicht geboten, sondern auch mit anderen Arzneimitteln. Ein Beispiel ist die gleichzeitige Anwendung von Metformin und nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), die lebensgefährlich sein kann.
Werden unter einer bestehenden Metformin-Therapie Schmerzmittel benötigt, sollten Patient:innen auf NSAR besser verzichten, um gefährliche Wechselwirkungen zu vermeiden. Denn unter der Kombi droht die Gefahr einer Laktatazidose, einer Übersäuerung des Blutes mit Milchsäure. Ohne schnelle Behandlung ist diese mit einem hohen Sterberisiko verbunden, wie ein aktueller Fallbericht zeigt.
So wurde eine 70 Jahre alte Patientin mit Symptomen wie Atemnot, allgemeinem Unwohlsein und Co. in ein Krankenhaus eingeliefert. Dort wurde eine lebensbedrohliche Laktatazidose diagnostiziert. Auslöser war demnach ein „gefährliches Duo“ an Arzneimitteln, genau die Kombination aus NSAR und Metformin.
Metformin gehört zu den Mitteln der Wahl bei der Behandlung von Diabetes Typ 2, wenn Diät und Gewichtsreduktion trotz körperlicher Aktivität nicht ausreichen, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Das Biguanid hemmt die Glukosebildung in der Leber und verzögert deren Aufnahme im Darm. Metformin verbessert die Insulinwirkung und die Insulinempfindlichkeit der Muskulatur, die Insulinausschüttung wird vermindert und das Hungergefühl der Patient:innen nimmt ab.
NSAR besitzen entzündungshemmende, fiebersenkende und schmerzlindernde Eigenschaften. Die Wirkung ist auf die Hemmung der Cyclooxygenasen 1 und 2 und somit auf die Unterbrechung der Prostaglandin-Synthese zurückzuführen. Zur Wirkstoffgruppe gehören unter anderem Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac sowie Celecoxib und Etoricoxib.
Metformin und NSAR: Erhöhtes Risiko für Laktatazidose
Wegen seit Wochen anhaltender Rückenschmerzen hatte die Patientin vor der Einlieferung dreimal täglich NSAR eingenommen. Zusätzlich erhielt die aufgrund ihrer Diabetes-Erkrankung zweimal täglich Metformin in einer Dosierung von 1.000 mg. Im Krankenhaus stellten die Ärzt:innen eine ausgeprägte metabolische Azidose fest, denn der pH-Wert der Frau lag lediglich bei 6,7. Außerdem war die Laktatkonzentration mit einem Höchstwert von 20,38 mmol/l deutlich erhöht. Im Zusammenhang mit der Metformin-Behandlung wurde der Verdacht auf eine Metformin-assoziierte Laktatazidose (MALA) bei akutem Nierenversagen (AKI) gestellt – letzteres wohl verursacht durch die NSAR-Einnahme.
So wird auch in den Fachinformationen Metformin-haltiger Arzneimittel im Abschnitt Wechselwirkungen vor einer Kombi mit Präparaten gewarnt, die die Nierenfunktion ungünstig beeinflussen können. Denn dadurch kann das Risiko einer Laktatazidose erhöht werden. Werden unter einer Metformin-Therapie NSAR, ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten oder Diuretika angewendet, sollte eine engmaschige Überwachung der Nierenfunktion erfolgen, heißt es.
Im vorliegenden Fall wurden bei der Patientin zunächst alle Medikamente abgesetzt und es erfolgte unter anderem eine Akutbehandlung mit Noradrenalin. Nach wenigen Tagen normalisierten sich ihre Werte.
Den Grund für die lebensgefährliche Laktatazidose sehen die Ärzt:innen in den nephrotoxischen Effekten von NSAR. Denn diese hemmen die renale Prostaglandinsynthese, was die glomeruläre Filtrationsrate beeinflussen kann. „Bei unserer Patientin hat die Einnahme von NSAR wahrscheinlich ein akutes Nierenversagen ausgelöst, die Elimination von Metformin und Laktat beeinträchtigt und so zur Entwicklung einer MALA beigetragen“, heißt es im Fallbericht.
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