Mehr Zeit statt mehr Geld: Wunsch nach weniger Arbeit überwiegt
Ob die Einschränkung des Teilzeitanspruchs, die Einführung einer Wochenhöchstarbeitszeit oder die Forderung nach Mehrarbeit: Rund um die Arbeitszeit wird weiterhin viel diskutiert. Dagegen wünschen sich Beschäftigte eher weniger Arbeit. Mehr noch: Besteht die Wahl, ist der Wunsch nach mehr Zeit größer als der nach mehr Geld.
Den Wunsch nach einem höheren Gehalt teilt ein Großteil der Beschäftigten, darunter auch Apothekenangestellte wie PTA. Denn seit Jahresbeginn greift zwar ein Tarifplus von 3 Prozent mehr für alle Berufsgruppen, dennoch sind vor allem PTA im Vergleich zum Durchschnitt deutlich unterbezahlt und bekommen ein um rund 1.200 Euro geringeres Gehalt, und zwar pro Monat. Kein Wunder, dass viele Kolleg:innen versuchen, für mehr Geld im Portemonnaie zu sorgen. Stichwort Gehaltsverhandlung.
Doch dass Geld allein nicht glücklich macht, ist bekannt. Daher wächst seit Jahren auch das Verlangen nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance. Mehr noch: Inzwischen schlägt der Wunsch nach mehr Zeit den nach mehr Geld. Wie eine aktuelle Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) zeigt, würde sich ein Großteil der Beschäftigten für weniger Arbeit statt mehr Geld entscheiden, wenn die Wahl besteht.
Mehr Zeit: Gehaltsplus bei Beschäftigten nur an zweiter Stelle
Mehr Zeit oder mehr Geld?, fragt das WSI im Rahmen seiner aktuellen Befragung. Denn während die Bundesregierung plant, am Arbeitszeitgesetz zu drehen und die tägliche Höchstarbeitszeit künftig durch eine wöchentliche zu ersetzen, wünschen sich viele Beschäftigte mehr Zeit abseits der Arbeit – ob für sich selbst, die Familie und/oder Freund:innen. Doch damit nicht genug. Denn der Wunsch nach mehr Zeit wiegt inzwischen sogar schwerer als der nach mehr Geld.
Einige Arbeitgebende bieten ihren Beschäftigten entsprechende Wahloptionen an, bei denen zwischen einer Zeitoption – beispielsweise mehr Urlaub, kürzere Wochenarbeitszeit – und einer Geldoption – Gehaltsplus oder Sonderzahlung – entschieden werden kann. Haben Beschäftigte diese Wahl, fällt diese bei der Mehrheit auf mehr Zeit. Von knapp 2.000 Befragten aus mehr als 130 Betrieben wählten 59 Prozent ausschließlich die Zeitoption. Weitere 6 Prozent entschieden sich für eine Kombi aus mehr Geld und mehr Zeit. Nur rund jede/r Dritte wählte die Option, das Gehalt aufzubessern.
Als Hauptgrund wird dabei der Wunsch nach Zeit für Hobbies, Freund:innen und sich selbst angegeben – vor allem bei Angestellten mit Kindern, während bei denjenigen ohne Kinder auch die Verringerung der Arbeitsbelastung eine Rolle spielt. Denn über ein belastendes Arbeitsklima berichten mehr als sieben von zehn Angestellten, die sich mehr Zeit entschieden haben. Dafür sorgen unter anderem Erwartungen, die Arbeit über die Familie zu stellen, regelmäßig Mehrarbeit zu leisten und ständig erreichbar zu sein. Und auch die betrieblichen Bedingungen in Sachen Work-Life-Balance spielten eine Rolle. Je stärker diese ausgeprägt waren, desto weniger Beschäftigte wünschten sich mehr Zeit.
„Beschäftigte brauchen Arbeitszeitsouveränität, um Arbeit mit familiären bzw. privaten Verpflichtungen und Aktivitäten vereinbaren zu können“, so das Fazit des WSI. Daher sollte sich die Bundesregierung dafür stark machen, Wahloptionen stärker in die Breite zu bringen, beispielsweise durch mehr Tarifbindung. Denn: „Zeitpolitik ist Vereinbarkeits- und Gesundheitspolitik und keine Lifestyle-Entscheidung der Beschäftigten“, stellen die Expert:innen klar.
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