24 Stunden Mehraufwand für Lieferengpässe pro Woche
Lieferengpässe sind Alltag in den Apotheken. Zwar wurden laut „Zahlen, Daten, Fakten 2025“ im vergangenen Jahr weniger Lieferengpässe beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gemeldet, aber davon im Vergleich zu 2023 mehr als versorgungsrelevant eingestufte Wirkstoffe. Gestiegen ist zudem die wöchentliche Stundenzahl, die für das Lieferengpassmanagement in den Apotheken aufgebracht werden muss.
Im vergangenen Jahr sind 892 Lieferengpassmeldungen beim BfArM eingegangen – darunter 198 versorgungsrelevante Wirkstoffe. Zum Vergleich: 2023 waren es 1.017 Meldungen insgesamt und 183 zu versorgungsrelevanten Arzneistoffen.
Zudem wurden 2024 fünf Versorgungsmängel durch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) bekanntgegeben; einige dauern noch immer an – darunter Fosfomycin, Diamorphin, Natriumchlorid und Natriumperchlorat. Der Versorgungsmangel der Fixkombination Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil aus Februar 2024 wurde im Mai aufgehoben.
24 Stunden Mehrarbeit pro Woche wegen Lieferengpässen
Apotheken müssen den Mangel verwalten. Das kostet Zeit, denn das im Jahr 2023 in Kraft getretene Lieferengpassgesetz (ALBVVG) hat für keine spürbare Verbesserung gesorgt. Kein Wunder, dass Lieferengpässe für knapp 83 Prozent der Apotheninhaber:innen zu den größten Berufsärgernissen gehören. Hinzukommt, dass sich der personelle und zeitliche Aufwand beim Management von Lieferengpässen und bei der Abrechnung von Alternativmedikamenten seit 2023 signifikant erhöht haben (53 Prozent), wie der Apothekenklimaindex zeigt.
Im Durchschnitt erzeugen Lieferengpässe in den Apotheken einen wöchentlichen Mehraufwand von rund 24 Stunden. Damit liegt Deutschland weit über dem europäischen Durchschnitt von 10,6 Stunden – ein Anstieg von 1,1 Stunden im Vergleich zum Vorjahr.
Das sind die größten Herausforderungen laut Apothekenklimaindex:
- Patientenkommunikation (80 Prozent)
- Arztrücksprache (76 Prozent)
- Verfügbarkeitsanfragen beim Großhandel (76 Prozent)
- Prüfung von Erstattungs- und Krankenkassenvorgaben (56 Prozent)
- Organisation von Liefer- oder Botendienst (47 Prozent).
Wo kommen die Wirkstoffe her?
Der Großteil der Wirkstoffe der in Europa zugelassenen Arzneimittel stammt aus Indien (41 Prozent), gefolgt von China (13 Prozent). Nur je 5 Prozent stammen aus Deutschland und Spanien. Die Abhängigkeit von Asien wird bei antibiotischen Wirkstoffen deutlich: Von den insgesamt 259 Antibiotikaproduzenten stammen 110 aus China und 62 aus Indien. Der Rest der Welt spielt mit 33 nur eine untergeordnete Rolle. In Europa gibt es 54 Hersteller für Antibiotika – davon nur einen in Deutschland.
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