Vitamin-B12-Mangel durch Säureblocker
Millionen Menschen nehmen regelmäßig Medikamente gegen Sodbrennen und Magenbeschwerden ein. Doch was viele nicht wissen: Bei langfristiger Einnahme können Protonenpumpenhemmer (PPI) die Aufnahme von Vitamin B12 beeinträchtigen. Besonders ältere Menschen sollten deshalb auf ihre Vitaminversorgung achten.
Der menschliche Körper benötigt täglich Energie, um lebenswichtige Funktionen aufrechtzuerhalten und die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Eine wichtige Rolle spielt dabei Vitamin B12. Es unterstützt unter anderem die Blutbildung, das Nervensystem und den Energiestoffwechsel. Doch bestimmte Medikamente können die ausreichende Versorgung mit diesem Vitamin erschweren.
Dazu gehören sogenannte Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol oder Omeprazol. Sie werden häufig bei Sodbrennen oder zum Schutz des Magens eingesetzt. Insbesondere bei einer langfristigen Einnahme über mehrere Monate oder Jahre kann sich jedoch das Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel erhöhen.
Wenn Magenschutz zum Risiko wird
Protonenpumpenhemmer reduzieren die Produktion von Magensäure und lindern dadurch Beschwerden wie saures Aufstoßen und Sodbrennen. Auch zum Schutz der Magenschleimhaut bei der Einnahme bestimmter Schmerzmittel kommen sie zum Einsatz.
Was viele Patient:innen nicht bewusst ist: Die verminderte Magensäureproduktion kann langfristig die Aufnahme wichtiger Nährstoffe beeinflussen. Vitamin B12 ist in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten enthalten. Dort liegt es überwiegend an Eiweißen gebunden vor. Damit der Körper das Vitamin aufnehmen kann, muss es zunächst mithilfe von Magensäure und Verdauungsenzymen aus diesen Verbindungen freigesetzt werden.
Wird die Magensäureproduktion durch Protonenpumpenhemmer dauerhaft gehemmt, kann dieser Prozess beeinträchtigt werden. Dadurch gelangt möglicherweise weniger Vitamin B12 aus der Nahrung in den Körper.
Ein Mangel bleibt häufig lange unbemerkt
Besonders tückisch ist, dass sich ein Vitamin-B12-Mangel meist schleichend entwickelt. Da der Körper größere Mengen des Vitamins in der Leber speichern kann, können Monate oder sogar Jahre vergehen, bevor erste Beschwerden auftreten.
Zu den möglichen Warnsignalen gehören anhaltende Müdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten. Auch Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Händen und Füßen können auf einen Mangel hinweisen. Bleibt dieser längere Zeit unbehandelt, sind unter Umständen ernsthafte neurologische Folgen möglich.
Wie eng die langfristige Einnahme von Säureblockern mit einem Vitamin-B12-Mangel zusammenhängen kann, verdeutlicht eine große US-amerikanische Studie (Proton pump inhibitor and histamine 2 receptor antagonist use and vitamin B12 deficiency in der Fachzeitschrift JAMA, 2013). Die Untersuchung mit rund 26.000 Personen mit diagnostiziertem Vitamin-B12-Mangel zeigte, dass eine mindestens zweijährige Einnahme von Protonenpumpenhemmern mit einem um etwa 65 Prozent erhöhten Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel verbunden war.
Besonders ältere Menschen sollten aufmerksam sein
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für eine unzureichende Vitamin-B12-Versorgung. Veränderungen der Magenschleimhaut und eine verminderte Aufnahmefähigkeit können dazu beitragen, dass der Körper das Vitamin schlechter verwertet.
Wer zusätzlich über längere Zeit Säureblocker einnimmt, sollte deshalb besonders auf mögliche Mangelsymptome achten. Bei Verdacht auf einen Mangel kann eine ärztliche Untersuchung Klarheit schaffen.
Was Betroffene selbst tun können
Eine ausgewogene Ernährung bildet die Grundlage für eine ausreichende Vitamin-B12-Versorgung. Besonders Fisch, Fleisch, Eier und Milchprodukte liefern das wichtige Vitamin.
Wer mögliche Warnsignale frühzeitig erkennt, auf eine ausgewogene Ernährung achtet und bei Bedarf die Vitamin-B12-Versorgung kontrollieren lässt, kann einem unbemerkten Mangel entgegenwirken.
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