Verurteilter Apotheker aus Bottrop will seine Approbation zurück
Der wegen gepanschter Krebsmedikamente zu zwölf Jahren Haft und lebenslangem Berufsverbot verurteilte Apotheker will seine Approbation zurück. Deswegen klagt er vor einem Verwaltungsgericht.
Der zu zwölf Jahren Haft wegen gepanschter Krebsmedikamente verurteilte Apotheker aus Bottrop will seine Approbation zurück. Darüber muss das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen an diesem Donnerstag (10.30 Uhr) entscheiden. Das Landgericht Essen hatte den Apotheker 2018 nach etwa achtmonatiger Verhandlung aufgrund jahrelanger Versorgung Krebskranker mit unterdosierten Arzneimitteln wegen Betrugs und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz in einer Vielzahl von Fällen zu einer zwölfjährigen Haftstrafe und einem lebenslangen Berufsverbot verurteilt. Später hatte die Bezirksregierung Münster dem Kriminellen die Zulassung als Apotheker für immer entzogen.
Dagegen geht der Verurteilte nun vor und klagt gegen das Land Nordrhein-Westfalen, vertreten durch die Bezirksregierung Münster, „gegen den Widerruf seiner Approbation“. Nachdem er im Eilverfahren bereits gescheitert war, findet am Donnerstag das Hauptsacheverfahren statt, bestätigte der vorsitzende Richter am Verwaltungsgericht, Wolfgang Thewes, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Auch die „WAZ“ berichtete.
Ob der Kläger bei der Verhandlung dabei ist, ist ungewiss. Geladen sei er nicht, sagte Thewes. Eigentlich muss der Apotheker noch seine Strafe – er saß nach seiner Verhaftung seit 2016 bis zum Prozessauftakt im November 2017 in Untersuchungshaft – absitzen. Zuletzt mehren sich allerdings Hinweise, dass er im offenen Strafvollzug der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Bielefeld-Senne sein könnte. Einige Zeugen behaupteten auch, ihn zuletzt wieder in Bottrop auf den Straßen gesehen zu haben.
Zwei Jahre nach dem Essener Urteil verwarf der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe die Revision des Apothekers. Damit wurde das Urteil rechtskräftig und die Bezirksregierung entzog ihm endgültig die Zulassung als Apotheker.
Parallel zur Klage vor dem Verwaltungsgericht läuft gegen ihn seit März 2019 ein Insolvenzverfahren am Amtsgericht Essen. Laut „WAZ“ arbeitet der Düsseldorfer Insolvenzverwalter Dirk Andres weiter daran, ein zweistelliges Millionenvermögen zu sichern. Die zunächst vom Landgericht auf 17 Millionen Euro bezifferte Schadensumme hatte der BGH später über die Revision auf 13,6 Millionen Euro reduziert. Kürzlich ist die Villa des Apothekers verkauft worden. Die ehemals rund elf Millionen Euro teure Luxusherberge mit zahlreichen Extras war von einem Makler für 5,7 Millionen Euro zum Verkauf angeboten worden. Ob sie diesen Preis erzielte, ist nicht bekannt.
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