Vancomycin: Besser vier statt zwei Wochen anwenden?
Schätzungsweise rund 70.000 Clostridioides difficile-Infektionen (CDI) treten hierzulande pro Jahr auf – die Dunkelziffer könnte höher sein. Zur Behandlung kommt unter anderem Vancomycin ins Spiel. Doch die Rückfallquote ist hoch. Um dies zu vermeiden, bringen Forschende eine Vancomycin-Behandlung von vier statt zwei Wochen ins Spiel.
Zuletzt gab es beim Antibiotikum Lieferengpässe. Der Wirkstoff besitzt bakterizide Eigenschaften und gehört zur Gruppe der Glykopeptid-Antibiotika. Die Wirkung gegen grampositive Erreger ist auf die Hemmung der Zellwandsynthese zurückzuführen. Außerdem werden die Permeabilität der Bakterien-Zellmembran und die RNA-Synthese beeinträchtigt. Vancomycin kommt zur Behandlung verschiedener Infektionen bakteriellen Ursprungs zum Einsatz, beispielsweise bei ambulant oder im Krankenhaus erworbener Pneumonie, Infektionen von Knochen und Gelenken, komplizierten Haut-und Weichgewebeinfektionen oder infektiöser Endokarditis.
Außerdem findet Vancomycin in allen Altersgruppen Anwendung zur Behandlung von Clostridium difficile-Infektionen (CDI) – in oraler Darreichungsform. Letztere werden in der Regel über einen Zeitraum von zwei Wochen medikamentös therapiert. Nun bringen Expert:innen jedoch eine Behandlung von vier statt zwei Wochen ins Spiel, und zwar zum Schutz vor Rezidiven.
Clostridium difficile-Infektionen werden vom Bakterium Clostridioides difficile verursacht, das den Darm besiedelt und dort zu Entzündungen führen kann, die wiederum mit Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes zur Folge haben können. Die Übertragung kann unter anderem durch kontaminierte Lebensmittel und den Kontakt zu Nutztieren erfolgen, aber auch bei Krankenhausaufenthalten oder im Zusammenhang mit einer Antibiose.
Vancomycin: Clostridium difficile-Infektionen vier Wochen behandeln
Das ist das Ergebnis einer kanadischen, doppelt-verblindeten, randomisierten Studie, für die mehrere hundert Patient:innen berücksichtigt wurden. Alle Teilnehmenden erhielten dabei über zwei Wochen viermal täglich 125 mg Vancomycin als sogenannte Stoßtherapie. Bei einem Teil der Personen endete die Behandlung anschließend und es wurde ein Placebo verabreicht, während der Rest über weitere zwei Wochen Vancomycin in ausschleichender Dosierung (eine Woche zweimal täglich 125 mg, gefolgt von einmal täglich 125 mg in der letzten Woche) erhielt. Anschließend wurde geprüft, ob das Risiko für Rezidive einer Clostridium difficile-Infektion beeinflusst wurde. Denn dieses liegt im Schnitt bei bis zu 25 Prozent.
Das Ergebnis: Wurde Vancomycin vier statt zwei Wochen eingesetzt, sank die Gefahr. Demnach schützte die vierwöchige Gabe auch nach 38 Tagen noch deutlich besser. So kam es unter der alleinigen Stoßtherapie bei 15 Prozent zu einer erneuten Infektion, unter der längeren Vancomycin-Behandlung nur bei 7 Prozent. Selbst nach 56 Tagen war die längere Therapie der kürzeren Behandlung in Sachen Rezidiv-Prophylaxe überlegen – 15 Prozent vs. 18 Prozent Rezidive.
Da sich im Anschluss daran die Leitlinienempfehlungen zur CDI-Therapie geändert haben und nun Fidaxomicin als Mittel der ersten Wahl empfohlen wird, wurde die Studie gestoppt. Dennoch konnten die Ergebnisse bestätigen, dass Vancomycin nicht nur „eine sichere und gut zugängliche Therapieoption“ ist, sondern dass der Ansatz einer längeren Behandlung auch verstärkt Rezidive verhindern kann. Nun brauche es weitere Untersuchungen, darunter auch einen direkten Vergleich zwischen Vancomycin und Fidaxomicin.
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