Tropanalkaloide: Rückruf bei Tortilla Chips
Verschiedene Hersteller rufen Tortilla Chips in einigen Chargen zurück. Der Grund: In den Produkten wurden Tropanalkaloide nachgewiesen.
„Die Produkte entsprechen der geltenden EU-Gesetzgebung. Übersteigt die Aufnahme jedoch moderate Mengen, kann die tägliche Referenzdosis von Atropin und Scopolamin überschritten werden“, teilt Heimatgut aus Hamburg mit.
Wie kommen Tropanalkaloide in Tortilla-Chips?
Nachtschattengewächse wie Bilsenkraut, Stechapfel und Tollkirsche sind für ihre Tropanalkaloide bekannt. Tropanalkaloide sind natürliche Pflanzenstoffe, die als Beikräuter auf den Getreideanbauflächen wachsen. Weil die Ackerkräuter mit samt der Samen mit der Ernte erfasst werden, können die Pflanzeninhaltsstoffe als Verunreinigung in das Lebensmittel gelangen. Eine nachträgliche Reinigung des Erntegutes sei nicht in jedem Fall vollständig möglich, erklärt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. So lassen sich beispielsweise bei Sorghum, Hirse und Buchweizen die Samen des Gemeinen Stechapfels durch Sortieren und Reinigen nur schwer entfernen. Aber auch bei Lebensmitteln aus Mais wurde in einzelnen Fällen erhöhte Werte an Scoploamin und Atropin festgestellt.
Übelkeit, Kopfschmerzen und Benommenheit
Tropanalkaloide können vorübergehend zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie zum Beispiel Übelkeit, Benommenheit und Kopfschmerzen führen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellte bereits im Jahr 2013 fest, dass Kleinkinder und Säuglinge bei Verzehr von Getreideerzeugnissen, die mit Tropanalkaloiden verunreinigt sind, am meisten gefährdet sind und gesundheitliche Beeinträchtigungen möglich sein können. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine akute Referenzdosis für die Summe aus Scopolamin und Atropin von 0,016 μg/kg Körpergewicht festgelegt.
Höchstmengen und Co.
Für Atropin und Scopolamin gilt gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 für Getreidebeikost und andere Beikost für Säuglinge und Kleinkinder, die Hirse, Sorghum, Buchweizen oder daraus gewonnene Erzeugnisse enthalten, ein Höchstgehalt von jeweils 1,0 µg/kg. Für alle übrigen Lebensmittel gibt es keine allgemeingültigen EU-weiten Höchstmengenregelungen für Tropanalkaloide.
Neu ab September
Mit der Verordnung (EU) 2021/1408 vom 27. August 2021 werden ab September 2022 gültige Höchstgehalte in die EU-Kontaminantenverordnung aufgenommen – darunter auch Lebensmittel aus Mais.
Welche Tortilla Chips betroffen sind, erfährst du auf lebensmittelwarnung.de.
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