Tränen in der Apotheke: (K)ein Tabu?
In der Apotheke sind oftmals starke Nerven gefragt, denn mitunter bekommst du den Unmut der Kund:innen zu spüren und auch Streit mit den Kolleg:innen kommt in den besten Teams vor. Kein Wunder, dass es Situationen gibt, in denen dir alles zu viel wird. Doch Tränen in der Apotheke sind ein No-Go, oder?
Zugegeben, in der Apotheke kann es auch mal emotional werden, und zwar nicht nur auf Kundenseite, beispielsweise wenn Patient:innen verzweifelt auf ein nicht-lieferbares Arzneimittel hoffen. Auch auf der anderen Seite des HV-Tisches spielen die Emotionen mitunter verrückt, wenn ein/e Kund:in oder der/die Chef:in mal wieder die Fassung verliert oder wenn Angestellte ohnehin gestresst sind und zusätzlich noch privater Ärger hinzukommt. Doch was gilt, wenn in der Apotheke plötzlich Tränen fließen?
Funfact: In Japan nimmt eine Firma einen speziellen Dienst in Anspruch, bei dem Mitarbeitende zum Weinen gebracht werden, damit sie ihren „Ballast“ abwerfen und im Anschluss befreit weiterarbeiten können.
Keine Tränen im HV?
Forschende aus den Niederlanden wollen bereits vor Jahren herausgefunden haben, dass Weinen am Arbeitsplatz einen positiven Effekt haben und die Arbeitsatmosphäre verbessern soll. Der Grund: Angestellte öffnen sich dadurch mehr. Wird den Emotionen freier Lauf gelassen, soll außerdem einem Burnout entgegengewirkt werden. Auf der anderen Seite wird Weinen oftmals als Schwäche angesehen und mit Unprofessionalität verbunden. Mehr noch: Der/die Gegenüber wird dadurch in Verlegenheit gebracht, weil er/sie nicht weiß, wie er/sie damit umgehen soll. Und dann ist da noch der Verdacht, dass nur geweint wird, um Mitleid zu erhaschen und so die eigenen Ziele durchzusetzen – sei es eine unangenehme Aufgabe, die jemand anderes übernehmen soll, mehr Geld oder ein Diensttausch. Stichwort Manipulation.
Fest steht: Generell verbieten lässt sich das Weinen am Arbeitsplatz nicht, schließlich handelt es sich um eine Emotion, die sich nur schwer steuern lässt. Es gibt jedoch einiges zu beachten, wenn dir in der Apotheke plötzlich die Tränen kommen. So kommt es unter anderem auf das „Timing“ an, auch wenn es wohl nie den richtigen Zeitpunkt gibt. Anstatt direkt im HV vor Kund:innen zu weinen, sollten sich Angestellte kurz ins Backoffice oder den Pausenraum zurückziehen, um in Ruhe ihre Gefühle ordnen zu können.
Anschließend sollte ein Vier-Augen-Gespräch mit dem/der Chef:in erfolgen. War beispielsweise das unangemessene Verhalten eines/einer Kund:in oder ein unpassender Kommentar eines/einer Kolleg:in der Auslöser, kann die Apothekenleitung bei der Klärung der Situation zur Seite stehen und eventuell Konsequenzen ziehen. Auch wenn Privates der Grund für Tränen in der Apotheke ist, sollte der/die Chef:in früher oder später hinzugezogen und zumindest grob darüber informiert werden, um die Situation einordnen zu können. Je nachdem, wie groß die Belastung ist, können Angestellte zudem darum bitten, Überstunden abbummeln zu dürfen oder kurzfristig freigestellt zu werden.
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