Topische Retinoide: Fehlbildungen wegen Tretinoin
Dass Retinoide wie Isotretinoin in systemischen Darreichungsformen mit Vorsicht angewendet werden sollten, ist bekannt. Das gilt vor allem in der Schwangerschaft, um das Ungeborene zu schützen. Welchen Einfluss topische Retinoide auf das Risiko für Fehlbildungen haben, zeigt eine Studie.
Retinoide wie Tretinoin, Isotretinoin und Adapalen kommen unter anderem zur Behandlung von Akne sowie weiteren Hauterkrankungen zum Einsatz und wirken komedolytisch, antikomedogen sowie anti-inflammatorisch. Doch es drohen Risiken. So ist beispielsweise Isotretinoin zur systemischen Anwendung aufgrund seiner Teratogenität in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert. Mehr noch: Um eine eventuelle Exposition des Babys zu verhindern, sollte während der Therapie mit dem Wirkstoff sowie einen Monat nach dem Absetzen eine wirksame Kontrazeption oder sexuelle Abstinenz erfolgen. Ob topische Retinoide in der Schwangerschaft das Risiko für Fehlbildungen beim Kind erhöhen, wollten Forschende vom Norwegian Institute of Public Health in Oslo (Norwegen) herausfinden.
Topische Retinoide: Kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen
Dafür wurden die Daten von knapp 3,9 Millionen Kindern ausgewertet, von denen fast 2.200 im Mutterleib – genau während des ersten Schwangerschaftsdrittels – einer Exposition von topischen Retinoiden ausgesetzt waren. Überprüft wurde, ob sich bei ihnen häufiger Fehlbildungen zeigten als bei Kindern, deren Mütter auf topische Retinoide verzichteten.
Das Ergebnis: Innerhalb des ersten Lebensjahres entwickelten 3,3 Prozent der exponierten Kinder schwere Fehlbildungen („major congenital malformations“, MCM), bei nicht-exponierten Babys waren es nur geringfügig weniger (3 Prozent), sodass der Unterschied als nicht relevant eingestuft wird. Und auch im Vergleich zu Säuglingen von Müttern, die mit Azelainsäure oder Clindamycin behandelt wurden, lag das Risiko für Fehlbildungen unter topischen Retinoiden nur geringfügig höher.
„Unsere Analysen zum Risiko schwerer angeborener Fehlbildungen deuteten darauf hin, dass die Verwendung von topischen Retinoiden kein erhöhtes Risiko für MCM mit sich bringt“, fassen die Forschenden zusammen, weisen jedoch darauf hin, dass eine mögliche Anwendung von rezeptfreien kosmetischen Produkten mit niedrig dosierten Retinoiden in der Untersuchung unberücksichtigt blieb. Hinzukommt, dass Retinoid-haltige Präparate generell mit Vorsicht angewendet werden sollten, insbesondere in der Schwangerschaft, um unnötige Risiken zu vermeiden.
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