Tinnitus durch Serotonin-Überschuss?
Rund drei Millionen Menschen leiden hierzulande dauerhaft oder wiederkehrend unter Ohrgeräuschen wie Klingeln, Pfeifen, Piepen oder Rauschen. Die Rede ist vom Tinnitus – einer spontanen oder unnormalen Aktivität im Hörsystem. Die genaue Ursache für deren Auftreten ist bisher nicht geklärt. Nun wollen Forschende diese entschlüsselt haben. Demnach führen sie Tinnitus auf einen Serotonin-Überschuss zurück.
Leiden Patient:innen unter einem Tinnitus, steht vor allem die Symptomlinderung im Vordergrund, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Unterschieden wird dabei zwischen akutem und chronischem Tinnitus. Neben Arzneimitteln kommen unter anderem auch Entspannungsübungen, Verhaltenstherapie und ein Hörtraining ins Spiel. Außerdem gilt es, der Frage nach der Ursache auf den Grund zu gehen, um mögliche Schädigungen des Hörnervs schnell zu diagnostizieren. Doch wie genau es zu der unnormalen Aktivität im Hörsystem kommt, ist noch immer nicht geklärt. Eine entscheidende Rolle könnte ein Serotonin-Überschuss als Auslöser für Tinnitus spielen. Das zeigen neue Studienergebnisse.
Serotonin ist ein Neurotransmitter, der aus Tryptophan biosynthetisiert wird und an verschiedene Serotonin-Rezeptoren bindet. Er ist unter anderem verantwortlich für den Wach-Schlaf-Rhythmus, die Stimmung, die Verdauung, die Kontrolle der Körpertemperatur und die Schmerzwahrnehmung. Der Abbau erfolgt durch Monoaminooxidase.
Tinnitus: Serotonin als Auslöser?
Ein Team der Oregon Health and Science Universität in Portland (USA) wollte die Ursache für Tinnitus genauer untersuchen. Dafür haben sie im Mausmodell den Einfluss von Serotonin auf das Hörsystem überprüft und ihre Ergebnisse im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht. Dafür wurde in einem Experiment der Serotoninspiegel von mehreren Mäusen künstlich erhöht und die Reaktion der Tiere gemessen. Dabei wurde deutlich, dass ein erhöhter Serotoninfluss bestimmte Nervenzellen im Hörzentrum übermäßig anregte. Genau sorgte der Serotonin-Überschuss dafür, dass das Gehirn der Tiere Tinnitus-ähnliche Geräusche wahrnahm, obwohl keine äußeren Schallreize vorhanden waren. Nach dem Absenken des Serotoninflusses normalisierte sich die Reaktion der Mäuse wieder.
„Wir hatten schon länger den Verdacht, dass Serotonin an Tinnitus beteiligt ist, aber wir wussten nicht genau, wie. Jetzt haben wir mithilfe von Mäusen einen spezifischen Schaltkreis im Gehirn entdeckt, der Serotonin involviert und direkt zum Hörsystem führt“, so das Fazit. Die Ergebnisse könnten den Forschenden zufolge als Basis für einen möglichen neuen Therapieansatz dienen. Vor allem für Patient:innen, die unter Tinnitus leiden, aber zugleich Antidepressiva einnehmen, die wiederum den Serotonin-Spiegel erhöhen, gilt es demnach, die neuen Erkenntnisse zu berücksichtigen, um eine geeignete Behandlungsstrategie zu finden.
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